Diät & Essen

Abnehmen mit Weight Watchers – funktioniert das?

Mit einer simplen Idee fing alles an. Die Amerikanerin Jean Nidetch hatte festgestellt, dass ihr eine Diät zusammen mit ihren Freundinnen leichter fiel als alleine, also gründete die Hausfrau 1963 die Firma Weight Watchers. Bis heute sind die wöchentlichen Gruppentreffen das bekannteste und wahrscheinlich erfolgversprechendste Element dieses Diätkonzeptes. Wen das aber abschreckt: Die Treffen sind längst keine Voraussetzung mehr. Weight Watchers lässt sich auch alleine und online nutzen.

Die Weight-Watchers-Methode eignet sich für gesunde Übergewichtige. Kinder unter 13 Jahren, Schwangere und Personen mit Essstörungen (beispielsweise Magersucht) oder mit krankhaftem Übergewicht können nicht an einem Weight-Watchers-Treffen teilnehmen.

Das Ernährungskonzept

Statt Kalorien zählen liegt Weight-Watchers ein Punktesystem zugrunde: Teilnehmer zählen sogenannte „SmartPoints“, also Punkte, die früher einmal „Points“ oder „ProPoints“ hießen. Jedes Nahrungsmittel oder Gericht hat einen festen Punkte-Wert, der sich aus den enthaltenen Kalorien und dem Gehalt an Eiweiß, Zucker und gesättigten Fettsäuren errechnet. Lebensmittel mit viel Eiweiß entsprechen wenigen Punkten. Speisen mit viel Zucker und gesättigten Fettsäuren besitzen dagegen viele Punkte. Teil des Ernährungskonzeptes ist, alle verzehrten Speisen und Getränke mit den entsprechenden SmartPoints-Werten zu protokollieren. Das soll den Teilnehmern dabei helfen, gesunde und leichte Gerichte zu erkennen und in den Alltag zu integrieren. Glaubt man den Angaben des Unternehmens soll so pro Woche bis zu ein Kilo Gewichtsabnahme möglich sein.

Das Programm wird fortlaufend aktualisiert. Ende Dezember 2015 stellte Weight Watchers „Feel Good“, ein neues Programm vor. Das soll die Teilnehmer selbst in den Fokus rücken und zu einem neuen Körpergefühl verhelfen. Es basiert auf den drei Säulen „Food“, „Fit“ und „Feel“. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass Moderatorin Oprah Winfrey 43 Millionen US-Dollar in den Konzern investiert hat und mit einem Anteil von 15 Prozent zur zweitgrößten Aktionärin aufgestiegen ist. Die Aktie schoss daraufhin um bis zu 105 Prozent in die Höhe.

Weight Watchers: Alles dreht sich um die SmartPoints

Konstant bleibt dagegen das Punktesystem im Bereich Ernährung („Food“) – die Basis von „Weight Watchers“. Ein Coach legt auf Grundlage einiger Faktoren wie Gewicht, Körpergröße, Geschlecht und Alter individuell fest, wie viele SmartPoints der Teilnehmer pro Tag verbrauchen darf, wenn er abnehmen möchte. Dieses Budget wird regelmäßig angepasst.

Die Punktebilanz gilt für jeweils einen Tag. Dazu kommt ein Wochenextra, das der Teilnehmer einlösen kann, wenn er zum Beispiel ins Restaurant geht oder eine Feier ansteht. Das Wochenextra lässt sich beliebig zu den SmartPoints einlösen. Diese gelten wiederum nur für die aktuelle Woche und lassen sich nicht in die nächste Woche übertragen.

Nach Belieben kann sich der Teilnehmer seinen Speiseplan zusammenstellen. Verboten ist nichts, solange er sein persönliches Punktebudget nicht überschreitet. Über die neuen Rezepte hinaus können Teilnehmer mit dem Mahlzeiten Coach jedes Gericht dem eigenen Geschmack und dem individuellen Punktebudget anpassen oder neue Mahlzeiten entwickeln. In der App und im Online-Programm finden sich mittlerweile Points-Werte für 60.000 Lebensmittel, auch von Discountern, sowie mehr als 5.000 weitere Rezepte. Im Einzelhandel gibt es außerdem Fertiggerichte, die unter dem Label Weight Watchers verkauft werden, darunter Feinkostsalate, Reispfannen oder Suppen. Dieses Sortiment wird fortlaufend um neue Produkte ergänzt: So gibt es mittlerweile auch Soßen, Snacks und Bonbons der Eigenmarke Weight Watchers.

Sport spielt eine wichtige Rolle

Ebenfalls 2015 führte Weight Watchers die sogenannte Kochbox ein: Abnehmwillige können sich wöchentlich eine Kiste mit Lebensmitteln nach Hause liefern lassen. Die Kochbox enthält drei Gerichte für je zwei Personen und kostet 39,90 Euro. Laut Weight Watchers sind die Rezepte mit den jeweiligen Smart Points ausgewiesen.

Zudem bietet Weight Watchers einen Barcode-Scanner an, mit dem die Punkte einzelner Lebensmittel bereits im Supermarkt bestimmt werden können. So soll das Thema Ernährung gezielt ins Bewusstsein rücken.

Protokolliert wird aber nicht nur das Essen, auch der Bereich Sport („Fit“) spielt bei der Diät eine wichtige Rolle. Die Abnehmwilligen sollen Bewegung in ihren Alltag einbauen und notieren. Auf diese Weise können sie „ActivPoints“ sammeln. Teilnehmer haben die Möglichkeit, Aktivitätstracker wie Fitbit mit der App oder dem Online Programm zu synchronisieren. Der Tracker misst jeden Schritt und verrechnet ihn im Anschluss mit den individuellen Fitnesszielen. Videos mit Fitnesstipps und Workouts sollen die Teilnehmer auf dem Weg zum Wunschgewicht unterstützen.

Die Gruppentreffen sind ein wichtiges Element

Neben den Elementen Ernährung und Bewegung sind die wöchentlichen Gruppentreffen das wohl wichtigste Element der Weight-Watchers-Methode. Getreu dem Motto „Zusammen ist man stark“ besprechen und analysieren die Teilnehmer gemeinsam mit einem Coach Ernährung und Bewegungsverhalten – daher auch der Name Weight Watchers („Gewichtsbeobachter“). Die Coachs erklären ernährungswissenschaftliche Zusammenhänge und geben Tipps zum Durchhalten.

Das ist aber längst keine Voraussetzung mehr. Wem das Abnehmen in der Gruppe nicht zusagt, das Punktezählen aber schon, hat die Möglichkeit, Weight Watchers online zu verfolgen. Außerdem gibt es ein Fernprogramm sowie Einzelcoaching oder Weight Watchers Center, eine Anlaufstelle für Interessierte. Abonnenten steht auch eine kostenlose App zur Verfügung, um im Alltag alle nötigen Informationen wie Rezepte oder Einkaufslisten schnell zur Hand zu haben. Seit kurzem können sich die Teilnehmer auch via App untereinander austauschen, Bilder verschicken und gegenseitig motivieren.

Die Feinheiten

Nach dem Weight-Watchers-Konzept abzunehmen bedeutet, in kleinen Schritten Gewicht zu verlieren. Zunächst sind zehn Prozent des Anfangsgewichts vorgesehen – und bis zu ein Kilogramm pro Woche. Ziel ist, das Wohlfühlgewicht längerfristig zu halten. Dazu sollen die Teilnehmer lernen, bewusster zu essen. Zudem gibt es die Möglichkeit, zur Nachbetreuung in der Gruppe zu bleiben. Das soll dabei helfen, das Wunschgewicht auf Dauer zu halten.

Die Methode beruht nach eigenen Angaben auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und wird ständig weiterentwickelt. Da es ein kommerzielles Unternehmen ist, das sein Diätkonzept in aller Welt vermarktet, ist die Teilnahme nicht gratis. Für den Monatspass zahlen Abnehmwillige regulär 42,95 Euro. Dieses sogenannte Kombi-Paket beinhaltet Gruppentreffen und die Nutzung von App und Online-Angeboten. Als 12-Monats-Abo zahlen Kunden 33,95 Euro monatlich.

Wer Weight Watchers online und alleine nutzen möchte: Die Online-Variante mit App kostet 18,95 Euro im Monat. Hinzu kommt noch eine einmalige Anmeldegebühr von 29,95 Euro. Zu Jahresbeginn gibt es oft Rabatte auf die monatlichen Gebühren. Teilnehmer, die sich für eine längere Vertragslaufzeit entscheiden, können ebenfalls mit Vergünstigungen rechnen.

Gruppenleiter sind meist ehemalige Teilnehmer. Nach Meinung mancher Experten ist es zwar fraglich, ob sie die Gruppen ohne eine langjährige Ausbildung im Ernährungsbereich optimal leiten können; das Weight-Watchers-Ausbildungsprogramm dauert sechs Monate und nicht mehrere Jahre. Es ist aber von der Industrie- und Handelskammer anerkannt, und die Coachs kennen die Abnehmprobleme aus eigener Erfahrung und sind somit authentisch.

„WW“ statt Weight Watchers – Kritik von Experten

2018 verpasste sich Weight Watchers einen digitalen Anstrich. Seitdem firmiert die US-Firma nicht nur unter dem Kürzel „WW“ – man stellt sich eigenen Angaben zufolge auch breiter auf und will sein Image als Wellness-Anbieter unterstreichen. Neben Abnehmprogrammen soll das Augenmerk zukünftig verstärkt auf gesündere Ernährung und mehr Bewegung gerichtet werden. Kritiker werfen „WW“ vor, zu spät auf dem digitalen Markt eingestiegen zu sein. Das analoge Kalorienzählen sei angesichts von Smartphones und Fitnesstrackern längst nicht mehr zeitgemäß.

Praxis-Check von Weight Watchers Online

So könnte ein Tag mit dem Weight-Watchers-Programm aussehen, wenn eine Teilnehmerin 30 SmartPoints zur Verfügung hat:

Zum Frühstück isst sie einen Kickstarter-Joghurt mit Ananas, Kiwi und Sojajoghurt (insgesamt 4 Points), den sie gut mit einem Basismüsli kombinieren kann (4 EL sind 4 Points). Dazu gibt es ungesüßten schwarzen Kaffee (0 Points). Für das Büro kann sie frische Früchte und Gemüsesticks mitnehmen, die belasten ihr Budget nicht.

Langes Leben

Das essen die acht ältesten Menschen der Welt

Mittags gibt es einen asiatisch-scharfen Couscoussalat (insgesamt 8 Points). Dafür gart sie den Couscous in Brühe, vermischt ihn mit klein geschnittenem Gemüse, hier Paprika, Frühlingszwiebeln und Mais aus der Dose, und gibt ein Dressing aus Tomatenmark, Currypaste, Essig, Sambal Olek, Salz und Pfeffer darüber. Dieser Salat lässt sich gut vorbereiten und mitnehmen.

Abends entscheidet sie sich für das Family-Putengyros (insgesamt 10 Points). Dafür mariniert sie das geschnetzelte Putenfleisch in Gyrosgewürz und Öl, gart in der Zwischenzeit den Reis, und schneidet eine kleine Zwiebel, eine Paprika und Zucchini in feine Streifen. Sie brät das Fleisch und das Gemüse an und bereitet einen Dip aus Magermilchjoghurt, Minze, Knoblauch und Zitronensaft zu. Das Putengyros serviert sie mit Reis und Dip. Als Nachtisch oder zwischendurch gönnt sie sich ein Soja-Himbeer-Sorbet (2 SmartPoint).

Über den Tag verteilt trinkt sie etwa 1,5 Liter Mineralwasser, für das sie sich keine Points anrechnen muss.

Das ergibt in dieser Beispielrechnung – mit Müsli – 28 SmartPoints auf dem Punktekonto, sodass ihr noch 2 SmartPoints übrig bleiben. Diese Punkte kann sie entweder verfallen lassen oder in einen Cappuccino (2 Points) oder ein Stückchen Schokolade (2 Points) investieren.

Wissenschaftliche Einschätzung

Aus gesundheitlichen Gründen spricht nach Meinung der Ernährungswissenschaftlerin Ursel Wahrburg von der Fachhochschule Münster nichts gegen diese Diätmethode: „Das Weight-Watchers-Konzept basiert primär darauf, dass vor allem ballaststoff- und eiweißreiche Lebensmittel gegessen werden, die eine niedrige Energiedichte haben und gut sättigen. Gleichzeitig wird der Fettgehalt reduziert. Die Gewichtsabnahme erfolgt allmählich, und die Teilnehmer lernen, bewusster zu essen und ihre Ernährung langfristig umzustellen.“ Diese Ernährungsmethode basiere auf einer gesunden Mischkost, wobei kein Nährstoff überbetont werde oder zu kurz komme.

Fazit

Wer gerne in einer Gruppe – gemeinsam mit Gleichgesinnten – abnehmen möchte, ist bei Weight Watchers sicher gut aufgehoben. Die Methode eignet sich für alle, die eine Art von Kontrolle brauchen und deren Motivation durch den Austausch mit anderen gefördert wird. Dank der Online-Programme können aber auch Alleingänger von dem Programm profitieren.

Mehr zum Thema

Diäten im Check

So sinnvoll ist die Blutgruppendiät

stern Reisewelten

Westeuropa Kreuzfahrt ab Hamburg mit All Inclusive ab 499 Euro

Diätfallen aufgedeckt

Wer abnehmen will, sollte nicht auf diese Irrtümer hereinfallen

Tschüss Winterspeck

Diese sieben Tipps helfen beim schnellen Abnehmen

Verkaufsverbote

Nirgendwo sind die Menschen so dick wie in Lateinamerika – wie die Behörden das ändern wollen

Diäten im Check

Endlich schlank durch Kohl? So sinnvoll ist die Kohlsuppendiät

Tipps und Tricks

So fasten Sie gesund

Diäten im Check: Montignac

Abnehmen mit Fleisch und Alkohol?

Diätcheck

Was wirklich hinter "Schlank im Schlaf" steckt

Paleo im Check

Was bringt die Steinzeitdiät?


Diäten im Check

So funktioniert die Brigitte-Diät


Diäten im Check

Das Geheimnis von "Schlank im Schlaf"

Diäten im Check

So sinnvoll ist Metabolic Balance

Abnehmen auf Französisch

Warum Ernährungsexperten von der Dukan-Diät abraten

Diäten im Check

Das taugt die Trennkost

Diäten im Check

Wie gut sich mit der Logi-Methode abnehmen lässt

Quelle: Den ganzen Artikel lesen