Gesundheit

Vor-Ort-Apotheke als kompetente Lotsin im Gesundheitssystem

Der Referentenentwurf zum Apotheken-Stärkungsgesetz sorgtfür lebhafte Diskussionen – das findet der Verein demokratischerPharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) grundsätzlich gut. Allerdings fürchteter, dass für eine patientengerechte Versorgung wirklich entscheidende Fragen untergehenkönnten. Zudem fordert der Verein erneut „ein Verbot des Rx-Versandhandels ohneHintertürchen“.

Der erste Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung derVor-Ort-Apotheken sorgt für hitzige Diskussionen. Mehr als die Hälfte derABDA-Mitgliedsorganisationen hat er so erzürnt, dass sie eine außerordentlicheMitgliederversammlung beantragt haben, die am 2. Mai auch stattfinden wird.

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Nun hat sich auch ein kleinerer Verband mit einerStellungnahme zu Wort gemeldet. Der Verein demokratischer Pharmazeutinnen undPharmazeuten (VdPP) begrüßt zwar die „lebhafte Diskussion“. Zugleich befürchteter aber, „dass die entscheidenden Herausforderungen einer patientengerechterenArzneimittelversorgung im Vorschlagsgestrüpp eines ‚Wünsch-Dir-was‘ untergehen“.

Aus Sicht des VdPP sind drei Aspekte von besonderer Bedeutung. Im Hinblick auf die eigentlich verfolgte Gleichpreisigkeit fordertder Verband erneut das Rx-Versandhandelsverbot – und zwar „ohne Hintertürchen“.Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist dafür bekanntlich nicht zu haben. Er willstattdessen die Einhaltung des Preisrechts zum Gegenstand des Rahmenvertragsmachen. Wer dagegen verstößt, wird sanktioniert. Der VdPP meint: Mit diesemAnsatz werde „wahrscheinlich“ ein weiterer Zugriff durch den EuropäischenGerichtshof erschwert. Aber dann seien auch entsprechende Maßnahmen fürPrivatversicherte und Selbstzahler zwingend erforderlich. Der Verband mahnt: „Stellenwir uns sonst schwerkranke Privatversicherte oder z.B. Frauen alsSelbstzahlerinnen ihrer Antibabypille vor, die einem Preiskampf um die bestenBoni-Angebote ausgesetzt sind!“

Was die geplanten neuen pharmazeutischen Dienstleistungenbetrifft, müssen sich diese aus VdPP-Sicht „unmittelbar und nachvollziehbar“aus dem gesetzlichen Versorgungsauftrag der Apotheken herleiten lassen. Dabeisollte die fortlaufende Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)eine zentrale Rolle spielen. Und: Die spezifisch pharmazeutischenHandlungsoptionen müssten mit ärztlichen und pflegerischen Kompetenzenzusammengeführt werden, um ein abgestimmtes Medikationsmanagement umsetzen zukönnen. Daran seien auch Patientenorganisationen zu beteiligen. Für alle neuenDienstleistungen aus der Apotheke müsse ihr patientenorientierter Nutzen belegtsein, fordert der Verband. Sie müssten zudem im Einvernehmen mit den anderenVersorgungspartnern implementiert und wissenschaftlich evaluiert werden.

Nicht zuletzt ist der VdPP überzeugt, dass die „Apotheke derZukunft“ nur als „Netzwerkerin in regionalen gesundheitlichen Verbünden“ einePerspektive haben kann. Nur kooperative multiprofessionelle Arbeitsstrukturen ermöglichteneine ganzheitliche Versorgungs- und Beratungsqualität. Die „Vor-Ort-Apotheke“müsse dabei mit ihrer Kompetenz als Lotsin und Zubringerin insGesundheitssystem aktiv werden und ihre niedrigschwellige Erreichbarkeitnutzen, die den Menschen vertraut ist. Als integraler Bestandteil wohnortnahergesundheitlicher Versorgungs- und Betreuungszentren könne sie helfen, Hürdenund Brüche in der Versorgungskette zu überwinden.

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