Persönliche Gesundheit

Gefahr in der Milch

Große Supermarktketten in Deutschland wie Aldi oder Rewe haben Milchprodukte aus dem Handel genommen, in denen die Bakterien Aeromonas hydrophila/caviae enthalten sein könnten. Die Verunreinigung sei bei Routinekontrollen festgestellt worden, teilten die Molkerei DMK Group und die Firma Fude + Serrahn mit.

Es handelt sich um etliche Sorten frischer fettarmer Milch (Hier finden Sie eine Übersicht aller belasteten Milchprodukte). Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Erreger im Überblick.

Was ist das Bakterium Aeromonas hydrophila?

Bei Aeromonas handelt es sich um stäbchenförmige Bakterien, die typischerweise in Süß- und Brackwasser leben. Die Bakterien haben eine große Temperaturtoleranz von 1 bis 45 Grad Celsius. Somit können sie sowohl Kühlschranktemperaturen als auch leichter Hitze trotzen, sterben aber bei starkem Erhitzen ab.

Was für Infektionen können die Bakterien auslösen?

Infiziert sich ein Mensch etwa durch verunreinigtes Wasser oder verunreinigte Lebensmittel, können die Bakterien sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen zu Magen-Darm-Erkrankungen führen. Möglich sind außerdem Wundinfektionen, wenn die Bakterien etwa über einen Schnitt in den Körper gelangen. Dies ist bei der Milch extrem unwahrscheinlich.

Bei den Magenerkrankungen kann es im Extrem zu zwei verschiedenen Formen kommen:

  • wässriger Durchfall oder
  • blutiger, schleimiger Durchfall.

In der Regel verlaufen die Magen-Darm-Infektionen so leicht, dass keine Medikamente benötigt werden. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem wurden jedoch auch schon schwere Krankheitsverläufe mit einer Sepsis beschrieben.

Wie kann ich mich mit den Bakterien infizieren?

Infektionen können durch kontaminiertes Wasser oder durch Lebensmittel ausgelöst werden, die mit kontaminiertem Wasser in Kontakt gekommen sind. In der Vergangenheit kam es unter anderem durch Austern sowie andere Meeresfrüchte, Eiersalat, Fischfilets oder Schnecken zu Infektionen.

Daneben kann man sich auch anstecken, wenn die Küchenhygiene nicht eingehalten wurde und man etwa mit einem Schneidebrett Salat zubereitet, auf dem zuvor roher, möglicherweise kontaminierter Fisch gelegen hat.

„Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich Menschen untereinander anstecken“, sagt Stefan Schmiedel, Infektiologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Eine Gefahr bestünde nur dann, wenn gesunde Menschen sich nach dem Toilettengang nicht die Hände waschen würden und so gegebenenfalls mit den von erkrankten Menschen ausgeschiedenen Bakterien in Kontakt kommen würden. „Und auch dann müssten die Bakterien noch in den Mund gelangen“, sagt Schmiedel. „Hände waschen oder desinfizieren schützt.“

2015 beschrieben Ärzte des Klinikums Bremen Mitte eine Aeromonas-Infektion infolge einer Blutegel-Behandlung. Bei der Patientin hatten die Egel zu einer massiven Wundinfektion geführt.

Wie häufig sind Infektionen mit den Bakterien in Deutschland?

In Deutschland kommt das Bakterium nur sehr selten als Wasserkeim vor. Entsprechend führen Aeromonas deutlich seltener zu Lebensmittelinfektionen als etwa Salmonellen oder Bakterien der Art Campylobacter. Auch Urlauber, die sich in einem anderen Land infiziert haben, tragen nur selten den Erreger in sich, wie 2003 eine Auswertung in den USA zeigte.

Wie konnten die Bakterien in die Milch gelangen?

Die Wasserkeime seien durch eine defekte Dichtung an der Produktionsanlage in die Milch gelangt, wie die Molkerei auf SPIEGEL-Anfrage mitteilte. Demnach wurde das defekte Maschinenteil mittlerweile ausgetauscht und die Produktion nach einer Reinigung sowie einem Testdurchlauf wiederaufgenommen.

Was mache ich, wenn ich die betroffene Milch getrunken habe?

Die Produkte können „zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Durchfall führen“, warnt auch das Unternehmen in seinem Rückruf. Wer die Milch gekauft hat, sollte sie auf keinen Fall trinken und erhält auch ohne Kassenbon das Geld zurück. Wer hingegen die Milch bereits getrunken hat und Beschwerden bei sich beobachtet, sollte vorsorglich einen Arzt aufsuchen und auf den möglichen Zusammenhang mit der Milch hinweisen.

„Die Inkubationszeit kann zwischen einem und acht Tagen betragen“, sagt Infektiologe Schmiedel. „Wer ein gutes Immunsystem hat, kann allerdings mit einem unkritischen Krankheitsverlauf rechnen.“

Wie werden Aeromonas-Infektionen behandelt?

Die Infektionen können mit Antibiotika behandelt werden. Außerdem ist es wichtig, bei Durchfällen darauf zu achten, dass der Körper ausreichend mit Flüssigkeit versorgt wird.

In den vergangenen Tagen hat es bereits mehrfach Rückrufe von Lebensmitteln gegeben, die Verbraucher beachten sollten:

  • Toastbrot, das über die Filialen von Aldi verkauft wird – wegen Kunststoffteilchen
  • Wurstwaren des hessischen Fleischfabrikanten Wilke – wegen Listerienbefall
  • Rohmilchkäse des französischen Herstellers Le Moulis – wegen Bakterienbefall
  • „K Classic Apfelschorle“ aus dem Kaufland-Sortiment – wegen berstender Flaschen

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