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Ricardo Simonetti im Interview: Es ist wichtig, dass ich beim Training ich selbst bleibe

Ein Junge, der mit Puppen spielt, lernt in der Kleinstadt früh, wie es sich anfühlt, Gesprächsthema zu sein. Heute lebt Riccardo Simonetti von Aufmerksamkeit – und er genießt sie.

Bekannt machte ihn sein Mode- und Lifestyle-Blog "The Fabulous Life of Ricci", den er kürzlich einstellte.

Inzwischen hat der 26-Jährige seine eigene TV-Show "Riccardo’s Dream Date" (E! Entertainment), veröffentlichte das Buch "Mein Recht zu funkeln" und engagiert sich für Herzensprojekte wie Kosmetikseminare für krebskranke Frauen der DKMS Life.

Sogar ein Kinderbuch hat er veröffentlicht, mit dem er Kindern spielerisch Toleranz vermitteln möchte.

Auch seine eigene Gesundheit liegt dem Entertainer mit den schrillen Outfits inzwischen am Herzen: Seit etwas mehr als einem Jahr arbeitet er hart an seiner Figur mit dem Berliner Personal Trainer Erik Jäger, auch bekannt als Hauptstadtrainer.

FIT FOR FUN traf die beiden zum Gespräch über den Weg in ein bewegteres Leben.

FIT FOR FUN: Riccardo Simonetti, Sie sind im Gesundheitsort Bad Reichenhall aufgewachsen, waren sogar auf einem Sportgymnasium …

Riccardo Simonetti: … und trotzdem habe ich mich immer erfolgreich davor gedrückt, Sport zu machen. Ich dachte: Ich kann das nicht, das passt nicht zu meinem Leben. Und wenn ich doch mal in einem Gym war, habe ich beim ersten Schweißtropfen mit dem Training aufgehört.

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FIT FOR FUN: Erinnern Sie sich noch an den Moment Ihres Sinneswandels?

Simonetti: Ja, es gab diesen einen Moment: bei der Premiere meiner eigenen TV-Show in einem Kino. Auf so einer Leinwand ist man ja fünf Meter groß. Ich bin keine unsichere Person, habe mich auch damals genauso akzeptiert wie jetzt.

Aber ich verstehe mich auch als Performer. Wenn ich vor der Kamera stehe, möchte ich nicht über mein Aussehen nachdenken, sondern meinen Job machen.

FIT FOR FUN: Also wollten Sie Ihren Körper in Form bringen. Wie haben Sie und Erik Jäger sich kennengelernt?

Simonetti: Wir haben uns bei Instagram geschrieben …

Jäger: … und ich habe mir alles angeschaut, was Riccardo so macht. Da dachte ich mir: Das wäre doch eigentlich ein ganz cooles Match, jemand zu unterstützen, der in der Öffentlichkeit steht, aber nicht unbedingt für das Thema Sport.

FIT FOR FUN: Wo haben Sie damals angesetzt?

Jäger: Die Ausgangssituation ist bei all meinen Klienten gleich: Ich mache erst mal ein Screening, also einen Kraft-, Beweglichkeits- und Cardio-Test. So erfahre ich, welche Einschränkungen, Verletzungen oder Probleme vorliegen.

Bei Riccardo war schnell klar, dass er keine Sportskanone ist. Seine primären Ziele: mehr Brust, schönere Bauchmuskulatur. Nach einem Jahr kann ich sagen: Wir sind ein gutes Stück vorangekommen.

FIT FOR FUN: Wann haben Sie die erste Veränderung an Ihrem Körper bemerkt?

Simonetti: Von "null" auf "ein bisschen" schon nach drei oder vier Trainingseinheiten. Ich hatte zwar keine Ahnung, aber ich bin superdiszipliniert. Daher habe ich die Tipps von Erik sehr schnell umgesetzt und intensiv trainiert.

Nach zwei, drei Wochen habe ich echte Ergebnisse gesehen. Und nach sechs bis acht Wochen wurde ich zum ersten Mal darauf angesprochen, dass meine Arme definierter aussahen und ich Gewicht verloren hatte.

FIT FOR FUN: Wie sah Ihre Ernährung noch vor einem Jahr aus?

Simonetti: Ich hatte keine Kontrolle über mein Essverhalten. Wenn man wie ich jeden Tag an einem anderen Set arbeitet, ist man auch davon abhängig, was das Catering hergibt. Da musste ich oft Kompromisse machen.

Ich habe nur alle drei Tage etwas Richtiges gegessen, die Zeit dazwischen mit Snacks überbrückt.

Jäger: Das konnte man damals eigentlich nicht als Ernährung bezeichnen. Keinerlei Struktur, aufgrund der ganzen Häppchen ein extrem verlangsamter Stoffwechsel, weil er nur am Verdauen war und somit auch viel Körperfett eingelagert hatte.

Ich habe ihm erst mal die absoluten Basics beigebracht.

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FIT FOR FUN: Und die wären?

Jäger: Jeden Morgen frühstücken. Hinsetzen zum Essen. Zeit nehmen. Snacks weglassen. Mahlzeiten mit langkettigen Kohlenhydraten, mit Fleisch, Fisch oder vegetarischen Proteinquellen. Und mit Gemüse.

FIT FOR FUN: Mit welchem Effekt?

Jäger: Allein dadurch fühlte Riccardo sich besser, hatte mehr Energie, sein Körperfett wurde reduziert. Nach und nach haben wir Ernährung und Training angepasst.

Simonetti: Mein größtes Problem ist der Muskelaufbau, da ich dazu neige, drahtig und schmal zu werden. Aber ich habe bestimmt acht oder neun Kilo Fettmasse verloren und durch Muskelaufbau ausgeglichen.

FIT FOR FUN: Sie trainieren seit einem Jahr täglich eine Stunde.

Simonetti: In der Regel ja.

FIT FOR FUN: Woran arbeiten Sie im Moment?

Jäger: Wir sind in der Massephase, damit Riccardo muskulöser und stabiler aussieht.

Also muss er seine Mahlzeiten wieder größer gestalten: mehr Kohlenhydrate, auch mal seine geliebte Pasta oder Burger, um Energie für den Muskelaufbau zu haben.

Wichtig ist, dass er fünf Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten macht.

FIT FOR FUN: Sie wurden vom "Forbes"- Magazin in die "30under30"- Liste der Kategorie "Life" gewählt: Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die "mit ihrem Tun die Welt verändern". Fühlen Sie sich auch als Vorbild?

Simonetti: Ja, aber nicht in Sachen Sport oder Aussehen, sondern vielmehr als Wertevermittler.

FIT FOR FUN: Erklären Sie das bitte genauer.

Simonetti: Ich sehe auf Instagram so viele makellose Menschen, die perfekt gestylt ins Gym gehen und in der nächsten Story schon wieder einen fetten Burger essen. Das ist einfach unrealistisch.

Meine Follower sollen sehen, wie viel Zeit und Arbeit es kostet, wenn man diesem Lebensstil nachgeht. Und ich möchte auch zeigen, wie furchtbar ich beim Sport aussehe.

FIT FOR FUN: Wie sorgen Sie dafür, dass der Spaß nicht zu kurz kommt?

Jäger: Riccardo ist ein extrem kreativer Mensch, der gern mit verrückten Outfits um die Ecke kommt. So passiert es, dass ich für ein Foto plötzlich auch mal eine pinke Plüschjacke trage.

Simonetti: Mir ist wichtig, dass ich auch beim Training ich selbst bleibe. Sport ist immer noch nicht meine Komfortzone. Deswegen läuft Britney Spears im Hintergrund, wenn ich trainiere, und meine Outfits bleiben lustig.

Am Welt-AIDS-Tag habe ich zum Beispiel in einem Ganzkörperkondom trainiert.

FIT FOR FUN: Auf Instagram kann man Sie in einem augenzwinkernden Video im Muskelanzug selbstverliebt tanzen und posen sehen, mit dem Kommentar "How I feel after doing 1 Push-up". Wie fühlen Sie sich nach einer Stunde Workout mit Erik Jäger?

Simonetti: Wenn es eine Cardio-Einheit war, hasse ich mein Leben (lacht). Aber meistens fühle ich mich richtig gut, weil ich mit Erik einen anderen Push und ein deutlicheres Ergebnis erziele als beim Training alleine.

Der tägliche Sport ist für mich aber auch ein sehr wichtiger seelischer Ausgleich geworden.

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FIT FOR FUN: Inwiefern beeinflusst Socia Media Ihr gemeinsames Training?

Jäger: Das Training selbst würde sich nicht großartig unterscheiden, wenn wir beide nicht so aktiv bei Instagram und Co. wären. Social Media ist ein super Instrument, um Leuten nahezubringen, was richtiges Trainieren bedeutet.

Aber es geht gerade bei Instagram zu oft um Äußerlichkeiten: geile Uhren, geile Hintern, geile Sixpacks.

Wenn ich jedoch eine Nachricht bekomme wie "Super Content, dank dir habe ich mit Sport angefangen", dann weiß ich wieder: Deshalb mache ich das alles!

Und darum investiere ich auch viel Zeit in Social Media. Sich körperlich zu betätigen, ist eine der wichtigsten Dinge in unserem Leben. Damit man auch im höheren Alter noch gesund und fit ist.

FIT FOR FUN: Was haben Sie als Personal Trainer in diesem Jahr von Riccardo gelernt?

Jäger: Ich habe gelernt, noch offener zu sein. Riccardo ist eine inspirierende Person mit einer bewegenden Geschichte, die viele schwule Männer in Deutschland nachvollziehen können: sich nicht zu trauen, so zu sein, wie man wirklich ist.

FIT FOR FUN: Und was ist das Wichtigste, das Sie Erik Jäger gelehrt hat?

Simonetti: Die Worte: "Du wirst merken, dass es sich lohnt." Ich stehe oft um vier Uhr morgens auf, bin bis Mitternacht unterwegs. Da ein Training einzubauen ist schwierig. Wenn andere feiern oder schlafen, gehe ich noch ins Gym.

Aber ich mache das, weil ich in mich und meine Gesundheit investiere. Das lohnt sich tatsächlich. Jede Stunde Training. Wichtig ist, dass man nicht gegen seinen Körper arbeitet. Niemand sollte trainieren, weil er etwas an sich hasst. Sondern immer aus Selbstliebe heraus.

Motivationstipps von Hauptstadttrainer Erik Jäger

Zu den Klienten des "Hauptstadttrainers" gehören unter anderem Sänger Anreas Bourani und das Model Stefanie Giesinger.

Sascha König

*Der Beitrag „Ricardo Simonetti im Interview: „Es ist wichtig, dass ich beim Training ich selbst bleibe““ wird veröffentlicht von FitForFun. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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