Gesundheit

Aus 3 Gründen fürchten die Freedom-Day-Briten keine explodierenden Infektionszahlen

Obwohl es seit dem 19. Juli in Großbritannien keine Corona-Beschränkungen mehr gibt, scheint das Land gut durch den Winter zu kommen. Eine vierte Welle gibt es auf der Insel nicht. Wie kann es sein, dass die Infektionszahlen bei den Briten ohne Masken und Abstand nicht in die Höhe schießen?

Boris Johnson sieht am Montag keinen Grund dazu, in Großbritannien wieder Schutzmaßnahmen gegen Corona einzuführen. Die britische Regierung sei zwar noch immer "besorgt" über die Pandemie, jedoch habe er "nichts in den Daten gesehen", was einen Wechsel hin zu Kontaktbeschränkungen, einer Masken- oder gar Impfpflicht rechtfertigen würde.

Denn obwohl seit dem 19. Juli praktisch alle Schutzmaßnahmen gegen die Seuche aufgehoben sind, scheint das Land in keine dramatische vierte Welle zu schlittern. Was machen die Briten also anders als viele Kontinentaleuropäer? Drei Gründe könnten die Infektionslage auf der Insel erklären.

Kontinuierlich hohe Infektionszahlen führten zur Durchseuchung der Briten

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern gingen die Infektionszahlen in Großbritannien nach dem "Freedom-Day" nie weit zurück, sondern blieben kontinuierlich zwischen 30.000 und 50.000 pro Tag. Großbritannien sei laut Andrew Pollard, Direktor der "Oxford Vaccine Group" dem europäischen Kontinent im Kampf gegen Covid "schon voraus".

Seit Beginn der Pandemie haben sich 14 Prozent der Briten mit dem Coronavirus infiziert, in Deutschland sind es bislang sechs Prozent der Bevölkerung. Die hohen Infektionszahlen hätten zu einer starken Durchseuchung in der Bevölkerung geführt, sodass "die Immunität der Bevölkerung im Vergleich zu Ländern wie Deutschland und Frankreich" viel stärker sei, sagte der britische Virologe Neil Ferguson der britischen BBC.

Delta-Variante traf die Alten in Deutschland mit schlechtem Impfschutz

Laut Mark Woolhouse, Epidemiologe an der Universität Edinburgh, sei die Delta-Variante des Coronavirus zwar wesentlich ernster, aber Großbritannien wäre eben früher davon betroffen gewesen. Als die ansteckendere Variante auf Kontinentaleuropa traf, habe der Impfschutz bei den hochgefährdeten älteren Menschen bereits "deutlich nachgelassen", da diese zuerst geimpft worden seien.

Laut Michael Head von der Southampton-University seien viele europäische Länder nun an dem Punkt angekommen, an dem Großbritannien bereits vor Wochen war.

Booster-Impfungen haben im Königreich schon viel früher begonnnen

"Großbritannien hat früher als die meisten Länder ein Impfprogramm eingeführt und daher die Auswirkungen der nachlassenden Immunität früher erlebt. Die Auffrischungsimpfungen in Großbritannien wirken sich eindeutig auf Krankenhauseinweisungen und neue Fälle bei älteren Bevölkerungsgruppen aus", sagte Head dem britischen Guardian. Deswegen sei die vierte Welle nicht mit aller Macht über das Land hereingebrochen.

Doch Anlass zum Aufatmen besteht noch nicht. Im Winter ist das britische Gesundheitssystem NHS traditionell überlastet. Die Coronalage kommt erschwerend dazu. Noch immer arbeiten die Ärzte am Limit, die Wartelisten für Operationen sind lang.

Auch die permanent hohe Zahl an Neuinfektionen führt zu vermeidbaren Klinikeinweisungen. Zum Vergleich: Erst Anfang November überstieg die Zahl der in Deutschland gemeldeten Neuinfektionen pro Tag die 30.000er-Marke.

Und so kann der britische Premier Boris Johnson seinen Landsleuten am Montag nur raten, was auch viele Politiker auf dem Kontinent empfehlen: "Das beste, was Sie alle tun können ist, sich Ihre Booster-Impfung zu holen."

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