Gesundheit

"AY.4.2.": Britische Regierung beobachtet neue Delta-Untervariante

Viren mutieren ständig – das ist nichts Neues. Eine Mutation muss einen Virus nicht zwangsläufig gefährlicher oder ansteckender machen. Bestimmte Virusvarianten bedürfen aber besonderer Beobachtung. Sie werden von der WHO als "Variants of Interest" (VOI) eingestuft – als Varianten von besonderem Interesse. Das ist etwa dann der Fall, wenn es erste Hinweise gibt, dass sich die Variante gegenüber bisherigen Varianten durchsetzen könnte, weil sie beispielsweise ansteckender ist. Bestätigt sich dieser Verdacht, wird die Mutante als "Variant of Concern" (VOC), als besorgniserregende Variante, hochgestuft. Aktuell listet die WHO vier "VOC": Alpha, Beta, Gamma und Delta. Sie vereinen teils weitere bedenkliche Virus-Eigenschaften.

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Die britische Regierung beobachtet nun eine neue Unterart der Delta-Variante "sehr genau", wie ein Sprecher von Premierminister Boris Johnson am Dienstag erklärte. Es handle sich um die Variante "AY.4.2.". Noch sei aber unklar, ob sich die Variante schneller verbreite, betonte der Sprecher. Auch wurde die Mutante bislang nicht von der WHO als "VOI" oder als "VOC" eingestuft. In Großbritannien dominiert nach wie vor die bisherige Delta-Coronavariante.

„AY.4.2.“ in sechs Prozent der untersuchten Proben gefunden

"AY.4.2." wurde nach Angaben der "BBC" erstmals im Juli 2021 nachgewiesen. Seitdem ist die Zahl der Fälle mit dieser Variante in Großbritannien leicht gestiegen. Ende September machte die Variante nach Angabe der britischen Gesundheitsbehörde schätzungsweise sechs Prozent aller untersuchten Sequenzierungen aus. Der Anstieg könnte darauf hindeuten, dass die neue Delta-Unterart noch einmal etwas ansteckender als die bisherige Delta-Variante ist, die bereits als hochansteckend gilt. Genaue Untersuchungen zu dieser Frage stehen aber noch aus.

"AY.4.2." besitzt zwei charakteristische Mutationen am Spikeprotein, Y145H and A222V, die zuvor auch bei einigen anderen Coronavarianten beobachtet worden waren. Außerhalb Großbritanniens wurde "AY.4.2." bislang nur vereinzelt nachgewiesen. In den USA wurden insgesamt drei Fälle gemeldet. Auch in Dänemark tauchte die Variante auf und machte zeitweise etwa zwei Prozent der untersuchten Proben aus. Seitdem ist die Zahl der gemeldeten Fälle jedoch wieder rückläufig.

Eine Infektion mit der Delta-Unterart "AY.4.2." wurde jüngst auch in Israel nachgewiesen. Ein elfjähriger Junge wurde direkt nach Einreise aus Europa unter Quarantäne gestellt.

Experte: Situation nicht mit Aufkommen von Alpha oder Delta vergleichbar

In Großbritannien steigen die Corona-Fallzahlen aktuell stark. Francois Balloux, Direktor des "UCL Genetics-Institute" am University College London, sieht in "AY.4.2." aber nicht den Grund für diese Entwicklung. Bislang sei "AY.4.2." noch relativ selten nachgewiesen worden, betonte der Wissenschaftler gegenüber dem "Science Media Centre". Selbst wenn man eine zehn Prozent höhere Übertragungsrate für "AY.4.2." annähme, wäre die Variante nur für eine geringe Anzahl zusätzlicher Fälle verantwortlich. "Die Variante hat den jüngsten Anstieg der Fallzahlen in Großbritannien daher nicht angetrieben", so Balloux. Die zwei Mutationen am Spikeprotein des Virus sieht er zudem nicht als "offensichtliche Kandidaten" für einen Immun-Escape des Virus an. Die aktuellen Impfstoffe dürften seiner Einschätzung nach auch gegen diese Mutante wirken.

Zuletzt hatten die britischen Behörden wieder mehr als 40.000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. Als Gründe führen Wissenschaftler eine niedrige Impfquote bei Jugendlichen sowie den nachlassenden Impfschutz bei Älteren an.

Balloux verwies darauf, dass die aktuelle Situation nicht mit dem Aufkommen der Alpha- und später der Delta-Variante vergleichbar sei – Varianten, die höhere Übertragungsraten von 50 Prozent oder mehr im Vergleich zu bisherigen Varianten aufwiesen. Bei "AY.4.2." habe man es möglicherweise mit einer leichten Erhöhung der Übertragbarkeit zu tun, die aber "keine vergleichbaren Auswirkungen" auf den Verlauf der Pandemie hätte, so Balloux. 

Es sei gut, dass die Ausbreitung der Virusvariante und auch deren Eigenschaften weiter untersucht würden, betonte der Experte gegenüber der "BBC". Gleichzeitig warnte er vor verfrühten Sorgen: "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde ich sagen, man muss das abwarten und weiter beobachten – keine Panik." 

Quelle: BBC / Science Media Centre / mit Material von AFP

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