Gesundheit

Bin ständig erkältet: 4 Patienten sprechen über ihre Covid-19-Erkrankung

Der eine schmeckt nichts mehr, die andere ist ständig erkältet. Vier Covid-19-Patienten berichten, wie sich die Krankheit für sie angefühlt hat und unter welchen Beschwerden sie nach der überstandenen Infektion bis heute leiden.

„Im März, nach den ersten zwei Tagen des Lockdowns, hat es bei mir eingeschlagen“. Claudio erkrankte im Frühjahr an Covid-19. Gemeinsam mit drei weiteren Patienten berichtet der 30-Jährige im Schweizer Magazin „20 Minuten“, wie sich die Infektion für ihn angefühlt hat.

Anfang habe er sich noch wenig Sorgen gemacht. „Ich dachte einfach, das ist irgendwas“, sagt Claudio im Video des Schweizer Magazins. Am nächsten Morgen habe er jedoch bemerkt, dass er weder richtig riechen noch schmecken konnte. Wasser, Brot, Schokolade, Käse, Chips: Alles habe gleich geschmeckt. Es folgten Erkältungssymptome, nach 10 Tagen spürte er zudem ein Ziehen in seinem Herzen.

Der 28-jährige Boris war im Februar in Asien gewesen, kurz danach bemerkte auch er erste Symptome. Kopfschmerzen, Fieber, das Essen hatte keinen Geschmack mehr, er hatte Atembeschwerden. Das Fieber stieg immer weiter an. Die Unsicherheit belastete ihn sehr: „Es war ein schreckliches Gefühl“, sagt Boris im Video.

„Fühlt sich an, als wäre ich konstant erkältet“

„Ganz plötzlich merkte ich, ich bekomme Fieber“, erinnert sich auch David. Der 39-Jährige war gerade mit seiner Familie beim Grillen, als er eine erhöhte Temperatur bemerkte. Fieber, das nicht mehr weg ging und intensiver wurde. Es folgte Atemnot, bei jeder kleinsten Bewegung. Er landete schließlich auf der Intensivstation, wurde mit Sauerstoff versorgt.

Auch die 30-jährige Nadia litt während ihrer Erkrankung unter Atemnot. Für eineinhalb Wochen hatte sie keinen Geruchs- und Geschmackssinn mehr. „Die ersten zwei Wochen kam ich nicht aus dem Bett“, berichtet sie. Insgesamt war sie über vier Wochen krank. Ständig habe sie ein Stechen in der Lunge gespürt, in einer Nacht habe sie sich immer wieder erbrochen.

Als Nadia schließlich wieder essen konnte, habe sie auch wieder mehr Energie gehabt. „Es wurde von Woche zu Woche besser“. Stechen in der Lunge bemerkt sie jedoch nach wie vor. Sobald sie renne, sich körperlich betätige, spüre sie es. Auch ihr Geschmackssinn sei nicht mehr so gut wie zuvor. „Und es fühlt sich an, als wäre ich konstant erkältet“, fügt sie hinzu.

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Zweifel, ob Patienten wieder fit werden

Langzeitfolgen bei einer Infektionskrankheit mit Pneumonie wie Covid-19 sind laut Robert-Koch-Institut nichts Ungewöhnliches. So äußerte kürzlich die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) sogar Zweifel daran, dass Covid-19-Genesene wieder gänzlich fit werden. Bilder aus dem Computertomographen zeigten, dass viele Patienten mehr oder weniger starke Lungenschäden aufwiesen, heißt es.

„Ein Teil der Patienten wird langfristig Probleme entwickeln. Ich denke schon, dass wir hier sekundär durch Covid-19 auch neue Krankheitsbilder generieren“, meint auch Clemens Wendtner, der in der München Klinik Schwabing die ersten deutschen Corona-Patienten behandelte.

Erfahrungsberichte und Studien lassen Langzeitfolgen vermuten

Mithilfe von Obduktionen, Studien und Erfahrungsberichten ermittelten Ärzte und Wissenschaftler bereits folgende mögliche Langzeitfolgen:

  • Langfristige Lungenschäden: Augsburger Ärzte hatten vor kurzem Bilder von Obduktionen veröffentlicht. Die Lungen mancher Corona-Opfer sahen darin löchrig wie Schwämme aus. Das führten die Mediziner nicht auf die Beatmung, sondern auf das Virus selbst zurück.

    Chinesische Mediziner stellten sogar eine Untersuchung vor, nach der rund 90 Prozent der schweren Corona-Fälle auch Monate später noch starke Lungenschäden aufwiesen.
     

  • Herzschäden: In einer Stellungnahme des Bundesgesundheitsministeriums hieß es Mitte Mai, dass bei Covid-19 zunehmend verschiedene Herz-Kreislauf-Komplikationen und Folgeerkrankungen zu erwarten seien. Mediziner hatten eine gestörte Blutgerinnung bei Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen beobachtet. Vermutlich sind Entzündungen der Blutgefäße daran schuld.

    Das verdickte Blut löst Thrombosen aus. Die Folge sind verschiedene Herz-Kreislauf-Komplikationen wie ein  Herzinfarkt oder eine Herzinsuffizienz. Groß ist durch eine höhere Thromboseneigung auch das Risiko für einen Schlaganfall.
     

  • Fatigue: Laut einer italienischen Studie ist anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung die häufigste Nachwirkung einer Covid-19-Erkrankung. Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, brauchten mindestens drei bis vier Wochen, bis sie sich wieder einigermaßen fit fühlten. Wer Sauerstoff zur Unterstützung der Atmung brauchte, klagt sehr oft und lang über fehlende Kraft und geringe Leistungsfähigkeit.
     
  • Neurologische Schäden: Bei einigen Patienten wurden nach einer Erkrankung zudem schwere neurologische Erkrankungen sichtbar: Enzephalopathien, die sich laut Peter Berlit, dem Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, in Unruhe und Verwirrtheit ausdrückten und auch die Leistung des Gedächtnisses beeinträchtigten. Er fürchte, dass solche Einschränkungen auch über einen längeren Zeitraum bleiben könnten.
     
  • Geruchsstörungen:
    Untersuchungen zeigten, dass viele Covid-19-Patienten während der Erkrankung zwar die Geschmacksrichtungen süß, sauer, bitter und salzig unterscheiden konnten, nicht aber Aromen, für die ein Zusammenspiel mit dem Geruchssinn nötig ist. "Beobachtungsstudien zeigen, dass sich diese Problematik in zwei bis drei Wochen bei der Mehrzahl der Patienten zurückbildet", sagt der Neurologe Berlit. In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle bleibe die Störung länger bestehen. Inwieweit der Geruchs- und Geschmacksverlust tatsächlich eine Langzeitfolge sei, müsse demnach noch weiter beobachtet werden.
     
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Covid-19 verläuft bei Patienten sehr unterschiedlich

Bei Boris kam der Geruchssinn nach etwa zwei Wochen langsam wieder, dennoch war ihm in den Wochen nach der Erkrankung ständig kalt. David hingegen litt während seiner Infektion überhaupt nicht unter dem Verlust seines Geschmacks- oder Geruchssinns. „Eher im Gegenteil, mir kam es fast vor, als habe ich noch intensiver gerochen als vorher“, berichtet der 39-Jährige. Er glaube, er habe mittlerweile wieder die gleiche Vitalität wie vorher erlangt.

Die Erfahrungen der vier Schweizer Covid-19-Patienten zeigen einmal mehr, wie unterschiedlich die Symptome und Auswirkungen von Sars-CoV-2 auf den Körper sein können. Sie zeigen aber auch, dass Langzeitfolgen eine reale Gefahr für Betroffene darstellen.

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