Gesundheit

Bluthochdruck: Parodontitis als signifikanter Risikofaktor identifiziert – Heilpraxis

Bluthochdruck vermeiden durch gesundes Zahnfleisch

Wenn Menschen unter schweren Zahnfleischerkrankungen leiden, scheint dies laut einer aktuellen Studie ihr Risiko für Bluthochdruck massiv zu erhöhen. Der Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Parodontitis zeigt, wie wichtig die richtige Pflege der Zähne ist.

Erwachsene Personen mit Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) scheinen ein signifikant erhöhtes Risiko für Bluthochdruck aufzuweisen, so das Ergebnis der Untersuchung unter Beteiligung von Forschenden des University College London. Die Studie wurde in dem englischsprachigen Fachblatt „Hypertension“ veröffentlicht.

Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Parodontitis

Parodontitis ist eine Infektion des Zahnfleischgewebes beziehungsweise des Zahnhalteapparates. Die Parodontitis kann eine fortschreitende Entzündung, Knochen- oder Zahnverlust hervorrufen, warnen die Fachleute. In früheren Studien sei bereits ein Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Parodontitis festgestellt worden, jedoch gab es bisher laut Aussage der Forschenden kaum Untersuchungen, welche die Details dieses Zusammenhangs beleuchteten.

500 Teilnehmende untersucht

Die aktuelle Studie umfasste 250 erwachsene Teilnehmende mit generalisierter, schwerer Parodontitis und eine Kontrollgruppe von 250 erwachsenen Personen, welche keine schwere Zahnfleischerkrankung hatten. Alle Teilnehmenden waren ansonsten gesund und wiesen keine anderen chronischen Gesundheitsbeschwerden auf. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 35 Jahren und 52,6 Prozent waren weiblich.

Zahnbelag und Zahnfleischbluten wurden untersucht

Alle Teilnehmenden unterzogen sich umfassenden parodontalen Untersuchungen, einschließlich detaillierter Messungen des Schweregrads der Zahnfleischerkrankung, wie beispielsweise Zahnbelag im gesamten Mund, Zahnfleischbluten und die Tiefe der Zahnfleischtaschen.

Außerdem wurden die Blutdruckwerte bei allen Teilnehmenden dreimal gemessen, um so Genauigkeit zu gewährleisten. Zusätzlich wurden noch Nüchternblutproben entnommen und auf hohe Werte weißer Blutkörperchen und hochsensibles C-reaktives Protein (hsCRP) analysiert, da beides Marker für erhöhte Entzündungswerte im Körper sind, berichten die Forschenden.

Weitere analysierte Informationen beinhalteten eine Familienanamnese von kardiovaskulären Erkrankungen, Alter, Body-Mass-Index, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Rauchen und körperliche Aktivität, fügt das Team hinzu.

Zahnfleischerkrankung erhöhte Risiko für Bluthochdruck

Die Forschenden fanden heraus, dass die Diagnose einer Zahnfleischerkrankung unabhängig von den üblichen kardiovaskulären Risikofaktoren mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Bluthochdruck verbunden war. Personen mit einer Zahnfleischerkrankung hatten doppelt so häufig hohe systolische Blutdruckwerte (≥140 mm Hg), verglichen mit Personen mit gesundem Zahnfleisch (14 Prozent gegenüber 7 Prozent).

Auswirkungen von Zahnfleischentzündung

Das Team stellte außerdem fest, dass das Vorhandensein einer aktiven Zahnfleischentzündung (erkennbar an blutendem Zahnfleisch) mit einem höheren systolischen Blutdruck verbunden war. Teilnehmende mit Parodontitis wiesen zudem im Vergleich zu Personen in der Kontrollgruppe erhöhte Werte für Glukose, LDL (ungesundes Cholesterin), hsCRP und weiße Blutkörperchen sowie niedrigere HDL-Werte (gesundes Cholesterin) auf.

Parodontale Bakterien lösen Entzündungsreaktionen aus

„Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass parodontale Bakterien das Zahnfleisch schädigen und auch Entzündungsreaktionen auslösen, welche die Entwicklung von systemischen Erkrankungen einschließlich Bluthochdruck beeinflussen können”, berichtet der Studienautor Professor Dr. Francesco D’Aiuto vom UCL Eastman Dental Institute.

„Dies würde bedeuten, dass der Zusammenhang zwischen Zahnfleischerkrankungen und erhöhtem Blutdruck lange vor der Entwicklung von Bluthochdruck bei einem Patienten auftritt. Unsere Studie bestätigt auch, dass eine besorgniserregend hohe Anzahl von Personen sich einer möglichen Diagnose von Bluthochdruck nicht bewusst ist“, fügt der Experte hinzu.

Diagnose von Bluthochdruck und Parodontitis verbessern

Professor Dr. D’Aiuto erklärt weiter: „Die Integration von Bluthochdruck-Screening durch zahnärztliches Fachpersonal mit Überweisungen an Hausärzte und Parodontalerkrankungen-Screening durch medizinisches Fachpersonal mit Überweisungen an Parodontologen könnte die Erkennung und Behandlung beider Erkrankungen verbessern, um die Mundgesundheit zu verbessern und die Belastung durch Bluthochdruck und seine Komplikationen zu reduzieren.“

Zweimal täglich Zähneputzen zum Schutz vor Bluthochdruck

„Mundgesundheitsstrategien wie zweimal tägliches Zähneputzen haben sich bei der Behandlung und Vorbeugung der häufigsten oralen Erkrankungen als sehr effektiv erwiesen, und die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass sie auch ein wirksames und erschwingliches Mittel zur Vorbeugung von Bluthochdruck sein können“, erläutert Professor Dr. D’Aiuto.

Darum sollte Parodontitis behandelt werden

Die Vorbeugung und Behandlung von Parodontitis ist kosteneffektiv und kann laut den Forschenden zu einer Reduzierung der systemischen Entzündungsmarker sowie zu einer Verbesserung der Funktion des Endothels (dünne Membran, welche das Innere des Herzens und der Blutgefäße auskleidet) führen.

„Personen mit einer Zahnfleischerkrankung weisen häufig einen erhöhten Blutdruck auf, insbesondere wenn eine aktive Zahnfleischentzündung oder Zahnfleischbluten vorliegt”, erklärt Studienautorin Eva Muñoz Aguilera vom UCL Eastman Dental Institute in London in einer Pressemitteilung der American Heart Association. Dabei seien sich viele Personen möglicherweise nicht bewusst, dass sie an Bluthochdruck leiden und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen ausgesetzt sind, da erhöhter Blutdruck in der Regel asymptomatisch bleibe.

Einschränkungen der Studie

In dieser Studie wurden andere Faktoren nicht berücksichtigt, welche ebenfalls einen Einfluss auf den Blutdruck haben können, wie beispielsweise abdominale Adipositas, Salzaufnahme, die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten, Hormonbehandlungen, Stress, oder andere Erkrankungen der Mundgesundheit, fügt das Team hinzu. (as)

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