Gesundheit

Coronavirus: Warum sich SARS-CoV-2 in der kalten Jahreszeit stärker ausbreitet – Heilpraxis

Warum es Corona im Winter leichter hat

Über 100.000 Coronavirus-Neuinfektionen innerhalb der letzten Woche meldet das Robert Koch-Institut am 04. November 2020. Seit dem Vortag sind 17.214 neue Fälle hinzugekommen. Seitdem die Außentemperaturen sinken schnellt die Anzahl der SARS-CoV-2-Infektionen in die Höhe. Wie kommt es zu diesem Effekt?

Sars-CoV-2 scheint sich in der kalten Jahreszeit verstärkt zu übertragen. Nicht nur, weil sich nun mehr Menschen drinnen statt draußen treffen, wo das Ansteckungsrisiko meist merklich geringer ist. Eine Reihe von Eigenschaften des Virus und des menschlichen Organismus begünstigen die winterliche Ausbreitung.

SARS-CoV-2 ist ein typisches Wintervirus

Typische Winterviren – zu denen auch SARS-Cov-2 gehört – hätten bei trockener Luft vermutlich eine höhere Überlebensfähigkeit, sagt Thomas Deitmer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Besonders schlechte Bedingungen haben viele der Viren bei einer relativen Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent, wie aus einer im März veröffentlichten Studie von Forschern der Yale-Universität hervorgeht. Sinkt die relative Luftfeuchtigkeit – wie im Winter zu beobachten – verbessere sich die Ausgangslage für die Erreger.

Coronavirus überlebt länger

„Die kalte Luft kann weniger Feuchte aufnehmen“, erklärt der HNO-Arzt. Wird diese Luft bei gleichbleibender Luftfeuchte in Räumen erwärmt, sinkt die relative Luftfeuchte und es verbessert sich die Überlebensmöglichkeit und Infektiosität für das Virus. „Deshalb warnten schon die Großmütter nicht zu Unrecht vor trockener Heizungsluft“, führt Deitmer aus. Aus seiner Sicht könnten daher Raumbefeuchter die Überlebensfähigkeit von Sars-CoV-2 verschlechtern.

Immunsystem funktioniert bei Kälte schlechter

Ein weiteres Problem: Das Nasen- und Bronchialsystem könne Viren im Winter schlechter unschädlich machen, sagt HNO-Arzt Deitmer. Der sogenannte Flimmertransport von Viren und Partikeln auf der Schleimhaut verlaufe bei kälteren Temperaturen und relativ niedriger Luftfeuchtigkeit langsamer und zäher. Über die Flimmerhärchen würden die Viren aus den Bronchien zum Kehlkopf beziehungsweise aus der Nase in den Rachen transportiert und von dort in den Magen „abtransportiert und entsorgt“.

Masken erhöhen die Luftfeuchtigkeit

Ein Aspekt, der aus Deitmers Sicht bisher recht kurz kam, sei die positive Wirkung der Mund-Nasen-Masken. „Die Maske nimmt einen Teil der Luftfeuchte beim Ausatmen an und gibt diese beim Einatmen wieder ab. Das erhöht die relative Feuchtigkeit der Luft und sorgt im Mund-Rachen-Raum für bessere Bedingungen zur Abwehr des Virus.“

Lüften im Winter besonders wichtig

Auch regelmäßiges Lüften sei im Winter besonders wichtig, ergänzt Eberhard Bodenschatz, Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation. „Wir lüften zu wenig. Dabei ist Stoßlüften essenziell.“ Das gründliche Lüften sei insbesondere im Winter besonders effizient. !Bei deutlichen Unterschieden der Lufttemperatur im Innen- und Außenbereich ist der Luftaustausch wesentlich höher.“ In kürzerer Zeit käme so mehr virusfreie Frischluft in den Raum, so der Wissenschaftler.

Schlechteres Immunsystem durch wenig Vitamin D

Schließlich kommt hinzu, dass das Immunsystem im Herbst und Winter schwächelt. „Durch weniger Sonneneinstrahlung sinkt der Vitamin-D-Spiegel und damit die Abwehrkraft eines jeden einzelnen“, sagt Bernhard Junge-Hülsing, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der HNO-Ärzte in Bayern. Auch depressive Verstimmungen schwächten die Abwehrkräfte. Solche saisonal-ausgeprägten Depressionen seien häufig im Winter und Herbst zu beobachten, erklärte jüngst Ulrich Hegerl von der Deutschen Depressionshilfe. (vb/Quelle: Wilhelm Pischke, dpa)

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