Gesundheit

COVID-19: AstraZeneca-Impfstoff durch spätere Gabe der zweiten Dosis wirkungsvoller – Heilpraxis

Langes Dosierungsintervall scheint Astrazeneca-Impfstoff wirksamer zu machen

Ein längerer Zeitraum zwischen den beiden Dosierungen des SARS-CoV-2-Impfstoffs AZD1222 von Astrazeneca scheint einer aktuellen Studie zufolge die Wirksamkeit zu verbessern. Ein dreimonatiges Intervall zwischen erster und zweiter Dosis statt den üblichen sechs Wochen führte zu einer höheren Wirksamkeit, berichtet das Forschungsteam.

Forschende der University of Oxford fanden bei Daten-Analysen von über 17.000 Patientinnen und Patienten, die den Astrazeneca-Impfstoff erhalten haben, heraus, dass ein längerer Zeitraum zwischen den beiden Injektionen mit einer höheren Gesamtwirksamkeit verbunden ist. Die Wirksamkeit soll demnach durch das längere Intervall von 55 Prozent auf 81 Prozent ansteigen. Die Ergebnisse wurden in dem renommierten Fachjournal „The Lancet“ präsentiert.

Forschende empfehlen längere Intervalle

Auf Grundlage der Erkenntnisse raten die Autoren der Studie zu einem dreimonatigen Intervall zwischen den Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs. Während zwischen den beiden Dosen eine Schutzwirkung von durchschnittlich 76 Prozent gewährleistet sei, steige die Wirksamkeit nach der zweiten Dosis auf 81 Prozent an. Die längeren Intervalle könnten zudem ermöglichen, einen größeren Teil der Bevölkerung schneller zu impfen.

Viele mit einer Dosis besser als wenige mit zwei

„Der Impfstoffvorrat wird wahrscheinlich begrenzt sein, zumindest kurzfristig, und deshalb müssen die politischen Entscheidungsträger entscheiden, wie sie die Dosen am besten verteilen, um den größten Nutzen für die öffentliche Gesundheit zu erzielen“, erläutert Professor Andrew Pollard von der University of Oxford. Wenn der Vorrat begrenzt sei, könne die Strategie, zunächst mehr Menschen mit einer einzigen Dosis zu impfen, einen größeren unmittelbaren Schutz der Bevölkerung bieten als die Impfung der Hälfte der Menschen mit zwei Dosen.

Langes Intervall verbessert die Immunantwort

„Langfristig sollte eine zweite Dosis eine lang anhaltende Immunität sicherstellen, und deshalb ermutigen wir alle, die ihre erste Impfung erhalten haben, sicherzustellen, dass sie beide Dosen erhalten“, betont der Professor. Das längere Intervall zwischen den Impfgaben habe zudem auch bei anderen Erkrankungen wie Grippe, Ebola und Malaria zu einer stärkeren Immunantwort geführt.

Ablauf der Studie

Die Forschenden werteten die Daten von insgesamt 17.178 Personen aus, die an randomisierten und kontrollierten Studien mit dem Astrazeneca-Impfstoff teilnahmen. Die Teilnehmenden waren alle mindestens 18 Jahre alt und erhielten entweder zwei Standarddosen des Astrazeneca-Impfstoffs oder ein Placebo. Gemessen wurde die Wirksamkeit anhand der Anzahl von bestätigten und symptomatischen COVID-19-Fällen, die nach mehr als 14 Tagen nach der Gabe des Impfstoffs, beziehungsweise des Placebos auftraten.

76 prozentiger Schutz durch erste Dosis

Die Forschenden zeigten, dass bereits die erste Gabe zu einem relativ hohen Schutz von 76 Prozent innerhalb der ersten drei Monate ab dem 22. Tag nach Erhalt des Impfstoffs führt. Es zeichnete sich am Ende der drei Monate keine Abnahme der Schutzwirkung ab und auch der Antikörperspiegel gegen das SARS-CoV-2-Spike-Protein blieb auf einem ähnlich hohen Niveau. Das Team weist aber darauf hin, dass bislang nicht bekannt sei, wie lange der Schutz über diese drei Monate hinaus anhält, da dies nicht untersucht wurde.

81,3 Prozent Schutzwirkung durch verzögerte zweite Dosis

Durch die zweite Gabe des Impfstoffes nach einem Intervall von 12 Wochen oder mehr kam es den Forschungsdaten zufolge zu einem Anstieg der Impfstoffwirkung auf 81,3 Prozent. Ein Intervall von weniger als sechs Wochen reduzierte die Gesamtwirksamkeit hingegen auf 55,1 Prozent. Diese Beobachtungen werden zudem durch immunologische Untersuchungen gestützt, die zeigten, dass Teilnehmende, deren Auffrischung nach mehr als 12 Wochen erfolgte, mehr als doppelt so hohe Antikörpertiter aufwiesen als bei bei denjenigen, die die zweite Dosis innerhalb von sechs Wochen erhielten.

Einschränkungen der Studie

Die Forschenden weisen auf einige Einschränkungen der Studienergebnisse hin. Zum einen sei der Nachbeobachtungszeitraum nach der zweiten Dosis des Impfstoffs gering, sodass keine Aussage über die Langzeitwirkung getroffen werden kann. Zum anderen handele es sich um eine nachträgliche explorative Analyse von Daten, die zwar aus hochwertigen klinischen und kontrollierten Studien stammen, aber nicht direkt zu diesem Zweck erhoben wurden. Dies biete ein gewisses Potenzial für Verzerrungen.

Dennoch liefere die Analyse einen belastbaren und von Fachleuten überprüften Ansatz zur Verbesserung der Wirksamkeit und der Impfstrategie in Bezug auf den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs. (vb)

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