Gesundheit

Covid-19 hat dich erwischt? Diese Medikamente können dir jetzt helfen

Positiv! Und jetzt? Wer an Corona erkrankt, muss häufig nicht gleich ins Krankenhaus. Doch was hilft Betroffenen dann? Inzwischen gibt es Medikamente, die einen schweren Verlauf verhindern können – und Klassiker, um Symptome zu mildern.

Die Zahl der Neuinfektionen schießt weiter nach oben. Jeder kennt inzwischen wohl Menschen, die in diesen Tagen ein positives Testergebnis in den Händen halten. Wenn einen Corona erwischt hat, können Hausärzte inzwischen mehr Therapien anbieten als noch im Herbst 2020 – besonders den stark Gefährdeten, also all jenen, die aufgrund von Alter oder Vorerkrankungen ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

Martin Scherer ist Präsident der deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und Direktor des Instituts und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Gemeinsam mit Kollegen fasst der Mediziner in einer Leitlinie zusammen, was Hausärzte den Patienten aktuell schon in frühen Krankheitsphasen anbieten können.

Dort erwähnt sind unter anderem zwei Medikamente: Fluvoxamin und Budesonid. Zwar sind sie keine „Game-Changer“, die die Behandlung einer Corona-Infektion grundlegend verändern. Aber sie können sich bei frisch Infizierten positiv auswirken. „Beide Mittel haben nicht nur eine antientzündliche Wirkung, sondern sie sind womöglich auch in der Lage, direkt die Vermehrung des Virus zu hemmen“, erläutert Scherer im Gespräch mit der „Welt“. Zumindest wiesen darauf Laborstudien hin.

Asthmaspray Budesonid

Budesonid ist ein Inhalierspray mit Kortison, das normalerweise Asthma-Kranke verwenden. In der Leitlinie empfehlen die Experten alten und/oder vorerkrankten Patientinnen und Patienten mit Sars-CoV-2-Infektionen damit zu inhalieren. Das kann einem schweren Verlauf vorbeugen.

Für den Einsatz des Asthmasprays Budesonid spreche Scherer zufolge, dass es besonders dort wirkt, wo in den ersten Tagen nach der Infektion die meisten Viren zu finden sind: lokal in den Atemwegen.

Antidepressivum Fluvoxamin

Die Tablette wird eigentlich gegen Depressionen verschrieben. Bereits vor einigen Jahren habe man erkannt, dass Medikamente wie Fluvoxamin antientzündliche Wirkungen haben können, führt der DEGAM-Präsident im Podcast der „Ärztezeitung“ aus. Diese sogenannten SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer/Selective Serotonin Reuptake Inhibitor) können über eine intrazelluläre Stressreaktion auch die Virusreplikationen hemmen.

„Die Datengrundlage für das Fluvoxamin hat sich deutlich verbessert“, sagt Scherer. „Es liegt jetzt der TOGETHER-Trial vor aus Brasilien mit 750 Probandinnen und Probanden in jeder Gruppe und hat doch gezeigt, dass Fluvoxamin effektiv sein kann gegen Krankenhauseinweisungen.

Keinesfalls ist die Tablette allerdings vorbeugend oder bei ersten Erkältungssymptomen einzunehmen. „Ich würde die Einnahme nur bei Vorliegen eines positiven Testergebnisses empfehlen. Und nur solchen Patienten, die ein besonders hohes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf besitzen“, erklärt Scherer im „Welt“-Interview. Was bisher nicht gezeigt werden konnte, sei, dass es auch helfe, das Virus schneller loszuwerden oder eher wieder gesund zu werden.

Dringend abzuraten ist im Übrigen von dem Wurmmittel Ivermectin. Impfgegner propagieren das Tiermedikament als vorbeugende Covid-Therapie. Tatsächlich warnen Mediziner vor Vergiftungen. Mehr dazu lesen Sie hier: Impfgegner kaufen massenhaft Wurmmittel gegen Corona – dabei vergiftet es den Körper

Corona-Symptome lindern

Der Mediziner Scherer erläutert weiter, dass sich die Therapie ansonsten auf die Linderung der Symptome beschränkt. Konkret bedeutet das für die verschiedenen Beschwerden:

Fieber: Paracetamol kann helfen, das Fieber zu senken oder die Gliederschmerzen zu verringern. „Die Maximaldosis liegt zwar bei vier Gramm am Tag, dennoch sollte man als Erwachsener versuchen, mit viermal 500 Milligramm auszukommen“, sagt Scherer. In hohen Dosen könne das Mittel die Leber schädigen.

Trockener Husten: Dagegen würde der Hausarzt auch gesünderen Covid-19-Patienten ein Budesonid-Spray empfehlen.

Schnupfen: Hier kann ein Nasenspray helfen.

Antikörper-Mittel gegen Covid-19

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat gerade zwei neue Medikamente zur Zulassung empfohlen. Ronapreve (des Schweizer Pharmaunternehmens Roche) und Regkirona (des Herstellers Celltrion aus Südkorea) enthalten künstliche Antikörper und sind für Patienten im Anfangsstadium der Covid-19-Erkrankung gedacht.

Diese werden Betroffene selten bei ihrem Hausarzt erhalten. Jedoch kann dieser in entsprechende Kliniken weiterüberweisen.

Für wen eignen sich die neuen Corona-Medikamente?

Die Experten der EMA hatten alle Studiendaten der Hersteller über Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen der Mittel geprüft und bewertet. Nach der positiven Empfehlung muss die EU-Kommission die endgültige Entscheidung treffen. Das aber gilt als Formsache. Zuvor war als einziges Mittel Remdesivir (Handelsname Veklury) in der EU zugelassen – aber nur für bestimmte, schwer erkrankte Corona-Patienten. Die neuen Medikamente eignen sich nun für die frühen Stadien der Infektion.

Das Mittel Ronapreve besteht aus zwei Antikörpern (Casirivimab und Imdevimab). Es soll Menschen ab zwölf Jahren gegeben werden können, die mit dem Coronavirus infiziert sind und ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben. In Deutschland wird diese Antikörper-Kombination bereits in speziellen Fällen für Corona-Patienten eingesetzt.

Die EMA-Experten verweisen auf Ergebnisse einer Studie. Demnach musste weniger als ein Prozent der Covid-Patienten nach Behandlung mit Ronapreve stationär aufgenommen werden oder gar sterben. Bei der Vergleichsgruppe waren das dagegen 3,4 Prozent der Patienten. Insgesamt waren 1193 Patienten an dieser Studie beteiligt.

Mit dem Mittel Regkirona sollen Erwachsene mit einem hohen Risiko auf einen schweren Krankheitsverlauf behandelt werden, die an Covid-19 erkrankt sind, aber noch keinen Sauerstoff benötigen. Eine Studie belegt, dass drei Prozent der damit behandelten Patienten in Kliniken eingewiesen werden mussten, Sauerstoff bekamen oder sogar starben. Bei den Patienten, die das Mittel nicht bekommen hatten, kamen die sehr schweren Krankheitsverläufe häufiger vor, nämlich bei etwa elf Prozent. An dieser Studie hatten insgesamt 880 Patienten teilgenommen.

Die EU-Kommissarin für Gesundheit, Stella Kyriakides, begrüßte die Entscheidung. „Wir machen einen Riesenschritt bei der Erreichung unseres Ziels, bis Ende des Jahres bis zu fünf neue Therapeutika in der EU zuzulassen.“ 

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Medikamente keine Alternative zur Impfung

Es geht also voran, was die Therapien von Corona angeht. Allerdings fehlt nach wie vor ein tatsächlicher Game-Changer. Hier gebe es dringenden Handlungsbedarf, wie auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina anmahnt.

„Die wenigen vorhandenen Medikamente gegen Sars-CoV-2 reichen nicht“, erklärte die Virologin Helga Rübsamen-Schaeff, Mitglied der Leopoldina. Wichtig seien hochwirksame Wirkstoffe, die möglichst früh nach einer Infektion eingesetzt werden könnten, um die Virusvermehrung und die Weitergabe der Erreger zu stoppen.

Dementsprechend warnt auch Martin Scherer: Sich mit Aussicht auf eine wirksame Therapie nicht impfen zu lassen, sei wenig sinnvoll. „Die Impfung ist und bleibt bislang das Mittel, das mit Abstand am besten vor schweren Verläufen schützt.“

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