Gesundheit

COVID-19: Impfstoff für Kinder noch länger nicht in Sicht – Heilpraxis

Warum es schwerer ist, Impfstoffe für Kinder zu entwickeln

Die ganze Welt wartet auf einen effektiven Impfstoff zum Schutz vor dem Coronavirus SARS-CoV-2. Es gibt zwar einige vielversprechende Kandidaten, welche derzeit noch in Studien untersucht werden, aber insbesondere ein Impfstoff für Kinder wird wohl noch länger auf sich warten lassen.

Dr. med. Frank Esper von der Cleveland Clinic, ein Spezialist für pädiatrische Infektionskrankheiten, erklärte jetzt in einem Beitrag die Vor- und Nachteile der Entwicklung eines Impfstoffs für Kinder und warum der erste COVID-19-Impfstoff wahrscheinlich nicht für Kinder zugelassen wird.

Impfstoffhersteller konzentrieren sich auf Erwachsene

„Um diese Pandemie einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen, brauchen wir so schnell wie möglich eine Art Impfstoff für Erwachsene und Kinder. Aber im Moment konzentrieren sich die meisten Impfstoffhersteller auf eine Version für Erwachsene“, berichtet Dr. Esper.

Schwere Erkrankungen häufiger bei Erwachsenen

Dies macht auch durchaus Sinn, da die Daten zeigen, dass schwere Erkrankungen durch COVID-19 tendenziell eher bei Erwachsenen auftreten (insbesondere bei älteren Erwachsenen) und Kinder eher milde oder symptomfreie Verläufe aufweisen, erläutert der Experte.

Das bedeutet nicht, dass Kinder gegen COVID-19 immun sind, aber sie sind widerstandsfähiger und erholen sich besser, wenn sie krank werden. Und es gibt trotzdem eine sehr kleine Anzahl von Kindern, die eine schwere Entzündungserkrankung in Verbindung mit dem Coronavirus entwickeln.

Einer weiterer Grund, sich auf eine Impfstoff-Version für Erwachsene zu konzentrieren, liegt darin, dass bei klinischen Studien mit Kindern oft mehr Schutzmaßnahmen durchlaufen werden müssen, so der Experte weiter. Zudem müssen das Kind und beide Elternteile in der Regel zustimmen, an der Studie oder dem Versuch teilzunehmen.

Impfstoff zuerst für Erwachsene?

Einige Hersteller arbeiten zwar bereits an einem Impfstoff für Kinder, aber die Mehrheit konzentriert sich zunächst auf eine Version für Erwachsene. Sobald ein solcher Impfstoff verfügbar ist, werden viele der Unternehmen wahrscheinlich damit beginnen, auch einen Impfstoff für Kinder zu entwickeln, erklärt Dr. Esper.

Kinder müssen gut geschützt werden

„Kinder sind eine besondere und anfällige Bevölkerungsgruppe, und wir versuchen, sie zu schützen, weil sie keine Entscheidungen für sich selbst treffen können”, erklärt Dr. Esper. Der langsame Fortschritt bei der Entwicklung eines Impfstoffs für Kinder sei also auch eine Frage des Schutzes und der Sicherheit.

Unterschiede des Immunsystems von Kindern

Das Immunsystem von Kindern kann je nach Alter sehr unterschiedlich sein. 16 Jahre alte Jugendliche haben beispielsweise ein ganz anderes Immunsystem als ein 16 Monate altes Baby. Aus diesem Grund sind bei der Bewertung eines Impfstoffs für Kinder zusätzliche Daten und Forschungsarbeiten erforderlich.

Beispiel für unterschiedliche Reaktionen des Immunsystems

Die unterschiedlichen Reaktionen des Immunsystems in verschiedenen Altersstufen gelten beispielsweise auch für die Grippeimpfung. Säuglinge im Alter von sechs Monaten und älter sollten jedes Jahr eine Grippeimpfung erhalten, aber einige Kinder im Alter von sechs Monaten bis acht Jahren benötigen möglicherweise zwei Dosen jährlich für einen besseren Schutz, erklärt der Experte zu dem Thema.

Wenn es um das Immunsystem von Erwachsenen geht, werden bei der Behandlung häufig keinen großen Unterschiede wegen des Alters gemacht, doch bei Kindern sei dies nicht so einfach, weil sich nicht sagen lässt, dass alle Immunsysteme von Kindern in jedem Alter gleich sind, erläutert Dr. Esper.

Bei Kindern gibt es ein viel breiteres Spektrum an Stadien und Altersstufen, weil sie noch wachsen und sich entwickeln. All dies muss bei einem Impfstoff berücksichtigt werden, da Kinder in verschiedenen Altersstufen wahrscheinlich unterschiedlich reagieren.

Erwachsene und Kinder müssen geimpft werden

Wegen all der Herausforderungen, die das Immunsystem von Kindern mit sich bringt, und wegen der Schutz- und Sicherheitsprotokolle in klinischen Studien wird ein COVID-19-Impfstoff, wenn er zur Verfügung steht, wahrscheinlich zunächst nicht für Kinder zugelassen werden. Dennoch ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Pandemie nur dann in den Griff zu bekommen ist, wenn sowohl Erwachsene als auch Kinder geimpft werden, resümiert Dr. Esper. (as)

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