Gesundheit

COVID-19: Schnellere Ausbreitung durch mutierte Coronavirus-Variante in Großbritannien – Heilpraxis

Mutierte SARS-CoV-2-Variante Ursache steigender Infektionszahlen?

In Großbritannien wurde eine neue Variante des Coronavirus SARS-CoV-2 entdeckt, die sich verstärkt ausbreitet und auch für den erneuten Anstieg der Infektionszahlen in einzelnen Regionen verantwortlich sein könnte. Wie gefährlich ist diese mutierte Form des Virus?

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock hat mitgeteilt, dass eine neue Variante des Coronavirus identifiziert wurde, die möglicherweise für die steigenden Infektionen im Südosten des Landes verantwortlich sei. In einem aktuellen Beitrag des „Britisch Medical Journal“ (BMJ) wird erörtert, was bisher über über diese neue SARS-CoV-2-Variante bekannt ist.

Coronavirus-Variante „VUI-202012/01“

Die neu entdeckte Variante trägt die Bezeichnung „VUI-202012/01“ (erste „Variant Under Investigation“ im Dezember 2020) und ist durch eine Reihe von 17 Veränderungen beziehungsweise Mutationen definiert, erläutert das „BMJ“. Eine der wichtigsten sei die „N501Y-Mutation im Spike-Protein, das das Virus zur Bindung an den menschlichen ACE2-Rezeptor verwendet.“ Diese könne theoretisch dazu führen, dass das Virus infektiöser wird und sich leichter ausbreitet.

Wie wurde die Variante entdeckt?

Entdeckt wurde die neue SARS-CoV-2-Variante laut Angaben des „BMJ“ durch das COVID-19 Genomics UK (COG-UK) Konsortium, das zufällige genetische Sequenzierungen von positiven COVID-19 Proben in ganz Großbritannien vornimmt. „Seit seiner Gründung im April 2020 hat das Konsortium 140.000 Virusgenome von infizierten Personen sequenziert“, berichtet das „BMJ“.

Anhand der gewonnen Daten können Ausbrüche nachverfolgt und neue Virusvarianten identifiziert werden. In einen wöchentlichen Bericht informiert das Konsortium zudem über die bisherigen Erkenntnisse.

Wie häufig ist die neue Virusvariante?

Bis zum 13. Dezember wurde die neue SARS-CoV-2-Variante in Großbritannien 1.108 Mal in fast 60 verschiedenen lokalen Behörden identifiziert. Allerdings liege die Zahl der tatsächlichen Infektionen vermutlich viel höher, so das „BMJ“. Die meisten Fälle seien bisher im Südosten Englands aufgetreten, aber auch in weiter entfernten Regionen (darunter Wales und Schottland) seien Fälle dokumentiert.

Erstmals sei die neue Virusvariante Ende September entdeckt worden und mittlerweile mache sie bereits 20 Prozent der sequenzierten Viren in Norfolk aus, zehn Prozent in Essex und drei Prozent in Suffolk, berichtet das „BMJ“ unter Berufung auf die Aussagen von Professor Nick Loman von der University of Birmingham bei einem Briefing des Science Media Centre am 15. Dezember.

Bezüglich des Ursprungs der neuen SARS-CoV-2-Variante betonte Prof. Loman: „Es gibt keine Daten, die darauf hindeuten, dass sie aus dem Ausland importiert wurde, also ist es wahrscheinlich, dass sie sich in Großbritannien entwickelt hat.“

Verbreitet sich diese Variante schneller?

Laut dem britischen Gesundheitsminister Matt Hancock weisen erste Analysen zudem darauf hin, dass die neue Variante mit dem jüngsten Anstieg der Fälle in Südost-England in Verbindung stehen könnte. Allerdings lasse sich bisher nicht sagen, ob sie tatsächlich die Ursache für den Anstieg ist.

„Diese Variante ist stark damit verbunden, wo wir steigende Raten von COVID-19 sehen. Es ist eine Korrelation, aber wir können nicht sagen, dass es eine Kausalität ist“, betont Prof. Loman. Insgesamt zeige sich eine auffällige Zunahme dieser Variante, „weshalb wir besorgt sind, und sie dringend weiterverfolgen und untersuchen müssen.“

War die Mutation zu erwarten?

Mutationen entstehen auf natürliche Weise, wenn sich das Virus repliziert und zahlreiche Mutationen des Coronavirus sind bereits bekannt. Aber nur eine sehr kleine Minderheit verändert das Virus in nennenswerter Weise.

„Mutationen werden erwartet und sind ein natürlicher Teil der Evolution. Viele Tausende Mutationen sind bereits entstanden, und die überwiegende Mehrheit hat keinen Einfluss auf das Virus, kann aber als eine Art Barcode nützlich sein, um Ausbrüche zu überwachen“, zitiert das „BMJ“ die COG-UK-Direktorin Sharon Peacock.

Wie gefährlich ist die neue Coronavirus-Variante?

Bisher bleibt unklar, ob die neue Virusvariante zu einem erhöhten Risiko schwerer COVID-19-Verläufe führt. Grundsätzlich machen Mutationen, durch die Viren infektiöser werden, die Viren nicht unbedingt gefährlicher, erläutert das „BMJ“. Beispielsweise werde von der bereits bekannten Variante D614G angenommen, dass sie eine höhere Übertragbarkeit aufweise und daher jetzt als häufigster Typ in Großbritannien zirkuliert, obwohl sie nicht zu einer schwereren Erkrankung zu führen scheint.

Aktuelle wird noch untersucht, ob die neue Variante schwere COVID-19-Verläufe begünstigt, doch bisher gebe es keine Beweise dafür, dass dieser Stamm zu schwereren Erkrankungen führt, resümiert das „BMJ“.

Wirkt der Impfstoff auch gegen das mutierte Virus?

Zwar weist die neue Virusvariante Mutationen im Spike-Protein auf, gegen das die drei führenden Impfstoffe gerichtet sind, allerdings produzieren Impfstoffe Antikörper gegen viele Regionen im Spike-Protein, so dass es unwahrscheinlich sei, dass eine einzelne Veränderung den Impfstoff weniger wirksam macht, erläutert das „BMJ“:

„Bei dieser Variante gibt es keine Hinweise darauf, dass sie sich der Impfung oder einer menschlichen Immunantwort entzieht. Aber wenn es einen Fall von Impfversagen oder Reinfektion gibt, dann sollte dieser Fall mit hoher Priorität für die genetische Sequenzierung behandelt werden“, betont die COG-UK-Direktorin Sharon Peacock.

Da im Laufe der Zeit jedoch vermehrt Mutationen auftreten werden, müsse der Impfstoff zu gegebener Zeit möglicherweise angepasst werden. Dies geschehe auch bei den Impfstoffen gegen Grippe, da die Influenzaviren jedes Jahr mutieren. Das SARS-CoV-2-Virus mutiere allerdings nicht so schnell wie das Grippevirus, und die Impfstoffe, die sich bisher in Studien als wirksam erwiesen haben, seien Typen, die bei Bedarf leicht angepasst werden können. (fp)

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