Gesundheit

Dahmen: Corona-Impfungen in Apotheken?

Aus Sicht des Grünen-Gesundheitsexperten Janosch Dahmen geht es mit den Impfungen gegen COVID-19 in deutschen Praxen zu langsam voran. Sollten die Niedergelassenen nicht rasch das Tempo anziehen, hält es Dahmen für denkbar, auch in den Apotheken impfen zu lassen. Im Sommer hatte sich der Notfallarzt im DAZ-Interview diesbezüglich noch eher ablehnend geäußert.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen ist unzufrieden mit dem Verlauf der Corona-Impfungen in den Praxen der niedergelassenen Ärzte. „Nach der Schließung der meisten Impfzentren erfüllen die Praxen die in sie gesetzten Erwartungen erkennbar nicht, weder bei den Erst- noch bei den Booster-Impfungen“, sagte Dahmen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montag). „Das Tempo bei den Erst- und Zweiimpfungen und beim Boostern reicht nicht aus.“

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Der Grünen-Politiker betonte: „Wenn das Impftempo in der Regelversorgung der Praxen nicht ausreicht, werden wir endlich auch an anderen Stellen, beispielsweise Apotheken, impfen müssen.“ Er zeigte sich besorgt über die aktuelle Pandemie-Lage. „Schon in den nächsten Wochen könnte die Zahl der Intensivpatienten wieder auf bis 3.000 steigen. Wenn dann noch eine heftige Grippewelle dazu kommt, laufen wir in eine Katastrophe hinein“, sagte er.

Dahmen sitzt für die Grünen am Verhandlungstisch mit den möglichen Ampel-Partnern SPD und FDP zum Thema Gesundheit. Seit etwa einem Jahr vertritt der Notfallarzt seine Partei im Deutschen Bundestag, zum Jahreswechsel 2020/21 hat er die Apothekenthemen von Kordula Schulz-Asche übernommen. Im DAZ-Interview äußerte er sich im Sommer im Vorfeld der Bundestagswahl eher zurückhaltend, was die Impfungen in den Apotheken betrifft. „In der aktuellen Situation sehe ich keinen Mangel an Menschen, die impfen können“, sagte der Abgeordnete damals. „Die große Herausforderung wird eher sein, Überzeugungsarbeit zu leisten, damit möglichst viele Menschen sich tatsächlich impfen lassen. Hier ist ein Schulterschluss zwischen Praxen und Apotheken ganz wichtig.“

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Nun öffnet sich Dahmen offenbar für die Idee, COVID-19-Impfungen auch in Apotheken anzubieten – zuletzt sprach sich auch der SPD-Politiker Karl Lauterbach dafür aus. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hingegen fordert angesichts stark steigender Corona-Zahlen jetzt die Länder auf, ihre Impfzentren wieder hochzufahren. „Um möglichst vielen möglichst schnell eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen, sollten die Länder die Impfzentren, die sie seit Ende September in Standby bereithalten, nun wieder startbereit machen“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Montag). Zudem riet Spahn dazu, in einem ersten Schritt alle Menschen über 60 schriftlich zur Impfung einzuladen. COVID-19-Impfungen in den Apotheken lehnte Spahn bisher ab. Im September warnte er beim Deutschen Apothekertag in Düsseldorf davor, sich auf den damit verbundenen Ärger mit den Ärzten einzulassen.

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Darüber hinaus macht sich Spahn dafür stark, Bund und Länder bei einem Gipfel darüber beraten zu lassen, wie es gelingen kann, der Impfkampagne vor dem Winter neuen Schwung zu verleihen. Auch Lauterbach verlangte ein Bund-Länder-Treffen, um zu klären, wie viele Auffrischungsimpfungen bisher erfolgt sind und wie das Tempo erhöht werden kann. „Wir haben bisher keinen vollständigen nationalen Überblick, wie viele Booster-Impfungen es in den Pflegeeinrichtungen überhaupt schon gegeben hat“, sagte er dem „Tagesspiegel“. „Es muss jetzt, sehr schnell gehen.“ Durch die Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP dürfe es keinen Schwebezustand geben.

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