Gesundheit

„Eltern sind unglaublich sauer“: Nach Corona-Ausbruch brodelt es in Göttingen

Nach dem Coronavirus-Ausbruch in der niedersächsischen Stadt Göttingen sind inzwischen 120 Menschen infiziert. Dies teilte die Stadt Göttingen am Mittwoch mit. Drei Patienten würden inzwischen stationär in Kliniken behandelt. Alle Nachrichten im Newsticker von FOCUS Online.

Nach dem Corona-Ausbruch in Göttingen im Zusammenhang mit mehreren privaten Familienfeiern ist die Zahl der positiv auf das Virus getesteten Menschen auf mehr als hundert gestiegen. In der Stadt Göttingen seien 86 Infektionen festgestellt worden, hinzu kämen 18 Infektionen im umliegenden Landkreis sowie eine noch nicht zugeordnete Infektion. Weitere 218 Menschen seien als Kontaktpersonen ersten Grades unter Quarantäne gestellt worden.

Es gebe inzwischen auch einen infizierten Mitarbeiter in einem Altenheim und einen in einem Göttinger Freibad, das nun geschlossen wird. Ob diese Infektionen in Zusammenhang mit den Familienfeiern stehen, ist jedoch nicht abschließend geklärt, teilte Sozialdezernentin Petra Broistedt am Mittwochabend mit. Die 123 Bewohner und die rund 100 Mitarbeiter des Altenheims sollen auf Covid-19 getestet werden, sagte die Sozialdezernentin.

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Corona-Ausbruch in Göttingen: Hunderte Kinder müssen in Quarantäne

Freitag, 5. Juni, 14.11 Uhr: Nach einem Coronavirus-Ausbruch in Göttingen müssen voraussichtlich mehrere hundert Schulkinder für zwei Wochen in Quarantäne. Die Göttinger Schulen sollen nach der Schließung in dieser Woche zwar am Montag unter strengen Auflagen wieder den Betrieb aufnehmen, sagte Sozialdezernentin Petra Broistedt (SPD) am Freitag. Die Klassen der Kinder, die sich mit dem Coronavirus infizierten haben, kämen aber in häusliche Quarantäne. Wie viele Jungen und Mädchen davon genau betroffen sind, konnte ein Stadtsprecher zunächst nicht sagen. Unter den 120 Menschen, die in Folge von Regelverstößen bei Privatfeiern zum muslimischen Zuckerfest mit dem Virus infiziert wurden, befinden sich 39 Schülerinnen und Schüler. dpa/Swen Pförtner/dpa Ein medizinischer Helfer in einem aufgebauten Zelt für die Covid-19-Testung in der Tiefgarage des Iduna-Zentrum.

Zahl der Infizierten steigt auf 120 – Göttingen startet Massentest am Freitag

18.52 Uhr: Nach dem Corona-Ausbruch in Göttingen in Folge von Regelverstößen bei Privatfeiern zum muslimischen Zuckerfest will die Stadt am Freitag einen Massentest starten. Alle Bewohner des hauptbetroffenen Hochhauskomplexes sollen auf Infektionen mit dem Coronavirus untersucht werden, wie Sozialdezernentin Petra Broistedt am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz mitteilte. In der Anlage hatten mehrere Großfamilien, die aus dem früheren Jugoslawien stammen, am 23. Mai bei Feiern zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan gegen die Hygiene- und Abstandsregeln verstoßen.

Obwohl die Zahl der in dem Zusammenhang Infizierten am Donnerstag auf 120 stieg, habe die Stadt vorerst keine neuen Einschränkungen verfügt, sagte Broistedt. Die Verwaltung hatte Anfang dieser Woche die Schließung aller Schulen angeordnet. Die Zahl der infizierten Kinder lag am Donnerstag bei 57. Außerdem muss in den Göttinger Sportvereinen der Trainings- und Wettkampfbetrieb für zwei Wochen ruhen.

Die Corona-Tests in dem Hochhauskomplex sollen bis Sonntag abgeschlossen sein. In der Anlage am Rand der Innenstadt sind rund 600 Menschen gemeldet. Die Verwaltung geht aber davon aus, dass dort sehr viel mehr Personen leben. Die Stadt will zur Not mit Hilfe der Polizei durchsetzen, dass alle Bewohner zu den Test erscheinen.

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Göttingen: Erste Anwohner ziehen aus Corona-Wohnblock aus

15.15 Uhr: Nach dem Coronavirus-Ausbruch in dem Göttinger Wohnblock ziehen erste Mieter aus Sorge aus. Gegenüber der "Bild"-Zeitung erklärten zwei Bewohner: "Wir haben Angst." Angst haben sie aber nicht nur vor dem Coronavirus, so die Betroffenen, sondern auch vor den Clan-Mitgliedern, die in dem Wohnblock lebten. "Die haben 20 Wohnungen, nehmen keinerlei Rücksicht, beschmieren Flure, bepöbeln Bewohner, verschachern vor dem Gebäude alte Autos", wird ein weiterer Bewohner zitiert.

"Die Eltern sind unglaublich sauer": Nach Corona-Ausbruch brodelt es in Göttingen

Donnerstag, 4. Juni, 07.20 Uhr: Nach dem Corona-Ausbruch hat die Stadt Göttingen weitere Lockerungen zurückgenommen. Mannschafts- und Kontaktsport in Vereinen ist in der Unistadt für vorerst zwei Wochen verboten, weil viele der aktuell Infizierten Mannschaftssport betreiben.

Der Ausbruch hat auch weitreichende Folgen für mehrere hundert Schüler in Göttingen. Unter den Kontaktpersonen ersten Grades befänden sich auch 57 Kinder und Jugendliche, hatte die Stadt mitgeteilt. Am Dienstagabend hieß es dann, unter den bislang bekannten Infizierten seien auch 24 Kinder. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, schließe die Stadt daher alle Göttinger Schulen und einige im Landkreis für diese Woche. Danach soll es dort eine zweiwöchige Maskenpflicht geben. Auch vier Kitas bleiben zu.

Zudem würden die Schulen in Zukunft verstärkt auf Krankheitsanzeichen achten. Sollte ein Schüler positiv auf das Coronavirus getestet werden, erhielten alle Mitschüler sowie deren Lehrkräfte als Kontaktpersonen ersten Grades eine Quarantäneverfügung. Bei Eltern und Schulleitern wächst der Unmut über Schulschließungen in der niedersächsischen Stadt. "Es ist erschreckend, dass es Menschen gibt, die meinen, für sie gelten die Regeln nicht oder für sie wären die Regeln unter bestimmten Umständen außer Kraft gesetzt", sagte der Leiter der Neuen Integrierten Gesamtschule Göttingen, Lars Humrich, am Mittwoch. Für die Kinder und Jugendlichen bedeute die neuerliche Schließung aller Schulen in Göttingen eine weitere Verunsicherung.

Der Stadtelternrat in Göttingen unterstützt die Entscheidung der Stadt. "Wir haben selbst die Schließung der Schulen gefordert", sagte der Vorsitzende des Göttinger Stadtelternrats, Janek Freyjer, dem Sender Hit Radio FFH. "Das ist das kleinere Übel, als mit einem Infektionsgeschehen umgehen zu müssen, das nicht mehr unter Kontrolle zu bringen wäre." Für die Verstöße gegen die Corona-Regeln hat er aber kein Verständnis. "Die Eltern sind unglaublich sauer, dass einige so unverantwortlich handeln."

Ansage an mögliche Quarantäne-Brecher

Der Krisenstab der Landesregierung hat bereits möglichen Quarantäne-Brechern mit einer Einweisung gedroht. Wer sich nicht an eine Quarantäne-Auflage halte, begehe eine Straftat und könne vom Gericht in eine geschlossene Einrichtung überstellt werden. Das sagte die stellvertretende Leiterin des Krisenstabs, Claudia Schröder. Nachdem am Mittwoch die Zahl der positiven Tests am Dienstag noch bei 80 lag, waren es am Mittwoch nach Angaben der Stadt Göttingen schon 105.

Die Stadt geht weiter davon aus, dass sich die Betroffenen vor allem bei Treffen in privaten Räumlichkeiten mit dem Virus angesteckt haben. "Wir wissen, dass das Ausbruchsgeschehen mit mehreren privaten Familienfeiern in Zusammenhang steht", sagte Stadtsprecherin Cordula Dankert am Dienstag. Auch was in einer illegal geöffneten Shisha-Bar passierte, wird untersucht.

Coronavirus soll sich in Göttinger Shisha-Bar verbreitet haben

Einem Medienbericht zufolge, wonach sich das Coronavirus mutmaßlich beim Zuckerfest (Fest des Fastenbrechens) am 23. oder 24. Mai in einer Göttinger Moschee verbreitet haben soll, konnte sie nicht bestätigen. Die Rolle einer Shisha-Bar, die unerlaubt geöffnet war und der nun ein Bußgeld droht, ist ebenfalls unklar. "Wir gehen allen Hinweisen nach, die wir haben, und versuchen ein möglichst umfassendes Bild zu bekommen", so Dankert.

Aber: "Oberste Priorität hat im Moment die Nachverfolgung der Infektionsketten." Dennoch werde geprüft, ob Betroffene gegen Hygiene- und Abstandsregeln verstoßen haben.


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  • 105 Menschen positiv auf Covid-19 getestet – Bürgermeister spricht von "mehreren großen Familienverbänden"

    Die Behörden in Göttingen arbeiten mit Hochdruck daran, alle Personen ausfindig zu machen, die mit den Infizierten Kontakt hatten. Deshalb wird auch die komplette Wohnanlage, in der viele der beteiligten Personen wohnten, Tests unterzogen. Alle identifizierten Kontaktpersonen in Stadt und Landkreis Göttingen hätten eine Quarantäneverfügung erhalten und sind aufgefordert, sich testen zu lassen. Weitere Kontakte hätten sich etwa in Salzgitter, Osnabrück oder dem Eichsfeld Kreis gefunden. Diese seien informiert worden. Swen Pförtner/dpa Das Iduna-Zentrum im Stadtzentrum von Göttingen

    "Es sind mehrere große Familienverbände Verursacher dieser Situation"

    Was genau in der Shisha-Bar passierte, ist noch unklar. Fest stand am Pfingstmontag nach Angaben einer Sprecherin der Stadt Göttingen bisher nur: Die Bar hatte geöffnet, obwohl sie es wegen der Corona-Auflagen eigentlich noch nicht durfte. Und: Mehrere Menschen, die später an Covid-19 erkrankten, waren zuvor in der Bar. Sie sollen dort gemeinsam aus einer Wasserpfeife geraucht haben, wie die "HAZ" berichtet. Die Leiterin des Göttinger Krisenstabes, Petra Broistedt, erklärte laut der Zeitung, das Verhalten der Männer sei eine "Katastrophe" gewesen. "Die Bar wurde geschlossen, nun wird ein Bußgeldverfahren geprüft", sagte Stadtsprecherin Cordula Dankert.

    Außer in der illegal geöffneten Shisha-Bar soll sich ein Großteil der anderen Betroffenen bei oder nach mehreren größeren privaten Familienfeiern infiziert haben. Die Krisenstabsleiterin sagte, Familienverbände mit überregionalem Bezug aus weiten Teilen Niedersachsens und NRW hätten sich offensichtlich am vergangenen Wochenende getroffen. Dabei sei das Distanzgebot nicht eingehalten worden. Am Dienstag seien die ersten Infektionen festgestellt worden.

    "Es sind mehrere große Familienverbände – nicht einer, sondern mehrere – Verursacher dieser Situation", sagte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) am Dienstag. Im Rahmen des Zuckerfests habe es "private Begrüßungen und Feierlichkeiten" gegeben, sagte Köhler. In diesem Kontext habe eine Shisha-Bar "eine nicht unwesentliche Rolle" gespielt. Dort sollen mehrere Personen mit einem Mundstück geraucht haben.

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    Coronavirus-Ausbruch in Göttingen: "Wir nehmen die Situation sehr ernst"

    Einige Menschen erschienen nach Angaben der Stadt trotz mündlicher Aufforderung durch das Gesundheitsamt nicht zum Test. Nun folgt die Einladung schriftlich, bei Nichterscheinen droht ein Bußgeld.

    Und was sind nun die Konsequenzen aus dem Fall? In Göttingen will die Stadt zunächst die Ergebnisse aller Tests abwarten, bevor darüber entschieden wird. "Es kommt darauf an, wie die Tests verlaufen. Wir nehmen die Situation sehr ernst, aber alle weiteren Maßnahmen hängen davon ab, wie die Testergebnisse aussehen", sagte Stadtsprecherin Dankert.

    Die niedersächsische Landesregierung sieht trotz der neuen Corona-Fälle in Göttingen bisher keine Notwendigkeit, vom Lockerungskurs abzurücken. "Das Geschehen ändert an unserem Stufenplan im Moment nichts", sagte am Pfingstmontag die stellvertretende Regierungssprecherin Kathrin Riggert.

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