Gesundheit

Fitnessstudio, Büro, Haushalt, U-Bahn: Wo jetzt das größte Corona-Risiko lauert

Während langsam das öffentliche Leben wieder beginnt, wir immer mehr Menschen begegnen, steigt auch die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Ob zuhause, am Arbeitsplatz oder beim Sport – eine britische Virologin hat nun herausgefunden, wo das Infektionsrisiko besonders hoch ist.

Nach und nach öffnen Fitnessstudios in Deutschland wieder für ihre Mitglieder. Die Menschen kehren zurück an ihren Arbeitsplatz und nutzen auch öffentliche Verkehrsmittel, um dorthin zu gelangen. Trotz Maskenpflicht in Supermärkten, Bussen und Bahnen besteht die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Eine britische Virologin sagt nun, wo sie die größte Gefahr einer Ansteckung sieht.

Muge Cevic von der britischen Universität St. Andrews wertete weltweite Studien zur Infektionsgefahr mit dem Coronavirus aus und fasste ihre Erkenntnisse in insgesamt 20 Twitter-Posts zusammen. Dabei arbeitete sie die gefährlichsten Ansteckungsherde heraus.

Die Virologin kommt zu folgendem Ergebnis: Die größte Ansteckungsgefahr besteht immer dann, wenn Menschen sich über längere Zeit in einem geschlossenen Raum aufhalten – insbesondere dann, wenn dieser nur unregelmäßig gelüftet wird. Das zeigt unter anderem auch eine bereits Anfang März veröffentlichte Studie aus China. Bei einer Untersuchung von 2147 Kontakten von 157 Covid-19-Patienten betrug die durchschnittliche Ansteckungsrate sechs Prozent. 22 Prozent der Personen, die sich angesteckt hatten, waren enge Freunde. 18 Prozent infizierten sich, weil sie im gleichen Haushalt wie die erkrankten lebten. Die Virologin trug zahlreiche weitere Studien zusammen, die diese Ergebnisse, insbesondere die hohe Ansteckungsgefahr in gemeinsamen Haushalten stützen.

 

Höchstes Ansteckungsrisiko im gemeinsamen Haushalt

Damit gilt der Haushalt mit insgesamt 13 Prozent als einer der Orte mit dem höchsten Ansteckungsrisiko. Cevic zufolge gilt das auch für Gemeinschaftsunterkünfte wie Obdachlosenheime – aber auch für Großraumbüros. „Wir müssen unsere Lebens- und Arbeitsräume neu gestalten – und wir müssen bessere, gut belüftete Unterkünfte für beengt lebende, sozial benachteiligte Menschen schaffen“, so die Virologin. In Boston hätten sich etwa binnen zwei Tagen 36 Prozent der in einer Obdachlosen-Unterkunft untergebrachten Menschen infiziert.

Wie wichtig die Belüftung von Räumen ist, betonte auch Infektiologe Christoph Spinner vom Münchner Klinikum rechts der Isar im Corona-Talk von FOCUS Online. Er erklärte: „Die Virusgröße steht im Zusammenhang mit der Infektiösität.“ Je größer also ein Tröpfchen, desto höher as Risiko, sich darüber anzustecken. Ein Luftaustausch könne dieses Risiko vermindern. Spinner erklärte außerdem: „Je mehr Menschen über eine längere Zeit auf kleinerer Fläche sind, desto höher ist das Risiko der Übertragung“. 

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Großraumbüros werden zu Ansteckungsherden

Wie verheerend ein Ausbruch im Großraumbüro sein kann, beweist auch eine Untersuchung in einem südkoreanischen Callcenter. Das gesamte Gebäude, ein Hochhaus mit 19 Stockwerken in der Hauptstadt Seoul wurde bereits einen Tag nach dem positiven Testergebnis eines Mitarbeiters geschlossen. Alle Bewohner und Angestellten, insgesamt 1143 Menschen wurden daraufhin ebenfalls getestet.

Das Ergebnis: 97 waren infiziert – 94 davon waren Mitarbeiter des Callcenters, die genau wie der zuvor getestet Mitarbeiter im 11. Stock des Gebäudes gearbeitete hatten. Die Autoren der Studie, über die die Centers for Disease Control and Prevention der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC berichtet hatten, erklärten: „Der Ausbruch ist alarmierend und zeigt, dass Sars-CoV-2 in überfüllten Büroumgebungen, etwa einem Callcenter besonders ansteckend sein kann“. Das Ausmaß dieses Ausbruchs zeige, wie eine Arbeitsumgebung mit vielen Menschen im selben Raum zu einem Ort mit hohem Ansteckungsrisiko werden könne. Centers for Disease Control and Prevention Die Grafik zeigt, wie sich die Mitarbeiter eines südkoreanischen Callcenters mit dem Coronavirus infiziert hatten.

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In öffentlichen Verkehrsmitteln beträgt die Ansteckungsgefahr laut Studie rund 11 Prozent, beim gemeinsamen Essengehen in Restaurants rund 7 Prozent.

Auch in Fitnessstudios: Ansteckung durch die Luft

Doch nicht nur dort lauert die Gefahr einer Ansteckung – auch in Fitnessstudios können Sie sich infizieren. Das zeigen weitere Untersuchungen aus Südkorea. Dort steckten sich rund 26 Prozent der 200 Besucher eine Fitnessstudios nach einem Covid-19-Ausbruch an.

Im Fall des Studios waren zwei Fitnesstrainer infiziert gewesen, welche im gleichen Raum über die gleiche Dauer unterrichtet hatten. Das Ergebnis: Beim Tanztraining, welches mit großem Schwitzen und starken Ausatmen verbunden war, steckten sich 60 Prozent der Teilnehmer an – im anderen Kurs, bei Yoga und Pilates hingegen keiner der Teilnehmer. Centers for Disease Control and Prevention Die Grafik zeigt, wie sich die Menschen im Fitnessstudio in Südkorea mit dem Virus infiziert hatten.

Diese Studie stützt die Ergebnisse vieler weiterer Untersuchungen, die die Virusübertragung durch die Luft über sogenannte Aerosole zeigen. Beim Niesen, Husten, Sprechen oder starken Ausatmen gelangen sehr kleine Virusteilchen in die Luft, wo sie über mehrere Minuten oder sogar Stunden bleiben. Wird ein Raum nicht regelmäßig gelüftet, ist die Gefahr einer Ansteckung allein durch das Einatmen hier also hoch.

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Kinder könnten sich weniger infizieren

Allgemein lässt sich also feststellen, dass eine Ansteckung immer da möglich ist, wo Menschen engen Kontakt haben, wo Viren in die Luft geraten können und wo wenig Luftaustausch besteht. Am größten ist das Risiko einer Ansteckung jedoch im gemeinsamen Haushalt, da der direkte Kontakt zu anderen Personen sehr eng und lang anhaltend ist.

Cevik betont jedoch, dass es bei der Ansteckung in Innenräumen Unterschiede geben könnte. Diese könnten insbesondere für geplante Öffnungen von Kitas und Schulen entscheidend sein. Einer chinesischen Studie zufolge infizierten sich durchschnittlich 28 Prozent der Ehepartner und 17 Prozent der erwachsenen Haushaltsmitglieder – jedoch nur vier Prozent der unter 18-Jährigen. Die Untersuchung stützt die Vermutung, dass Kinder nicht nur seltener schwere Verläufe von Covid-19 zeigen, sondern sich auch seltener infizieren.

Das abschließende Fazit, welches die Virologin aus ihrer persönlichen Meta-Studie zieht: „Vermeiden Sie engen, anhaltenden Kontakt in Innenräumen und im öffentlichen Nahverkehr und sorgen Sie für Ihre persönliche Hygiene“. Also: Abstand halten, Mundschutz tragen, Hände waschen.

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