Gesundheit

Gesetz ist Gesetz

Jeder, der mit Kunden arbeitet, weiß, wie das ist. Das Schönste an der Arbeit sind die Kunden und das Schlimmste an der Arbeit sind die Kunden. Manche versüßen einem den Tag und andere sorgen dafür, dass man noch Stunden später angepisst ist und dieses Gefühl sehr wahrscheinlich sogar mit nach Hause nimmt.

Was mich immer ganz besonders nervt, sind Diskussionen. Unnötige Diskussionen mit Kunden, die ein „Nein“ nicht akzeptieren können und der Meinung sind, dass ich irgendwann schon nachgebe, wenn sie mit mir diskutieren und diskutieren und diskutieren.

Wovon ich rede? Zum Beispiel davon, gegen das Gesetz zu verstoßen

Vor ein paar Jahren arbeitete ich in einer Apotheke, die hauptsächlich von Stammkunden besucht wurde. Mit den meisten verstand ich mich auch sehr gut. Auch mit dem älteren Herrn, der regelmäßig zu uns kam. Er war immer gern gesehen. Wir haben zusammen gequatscht und viel gelacht, jahrelang. Eines Tages wollte er dann etwas ohne Rezept haben, da ihm die Tabletten ausgegangen wären. Freitag Nachmittag. Natürlich. Wann sonst?

Kolumne

#DerApotheker

Ja, die nahm er schon seit vielen Jahren ein und ja, er hätte ganz sicher am Montag ein Rezept nachgereicht. Der ein oder andere würde da sicher ein Auge zudrücken. Ich allerdings nicht. Auch nicht bei Stammkunden. Etwas ohne Rezept abzugeben, geht mir gegen den Strich. Es ist verboten und schafft in manchen Fällen einen Wettbewerbsvorteil. Ich höre nicht gerne von Kunden, dass ich mich nicht so anstellen soll, die bei der Konkurrenz würden auch mal Fünfe gerade sein lassen.

Da er mein „Nein“ nicht akzeptieren wollte, diskutierte der Herr daraufhin minutenlang mit mir und konnte es gar nicht verstehen, dass ich einen langjährigen Kunden so behandeln würde. Ausgerechnet ihn. Ich wiederholte immer und immer wieder, dass das nichts mit ihm zu tun hätte und ich da leider keine Ausnahme machen könnte, da ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel nicht ohne Rezept abgegeben werden dürfte. Nachdem er nach einigen Minuten bemerkte, dass er mich nicht umstimmen konnte, ging er wütend und beschwerte sich an meinem freien Tag bei meiner Chefin. Kurz darauf wurde ich gekündigt. Sicherlich nur ein Zufall.

Hält man sich ans Gesetz, verliert man möglicherweise Kunden, häufig auch noch Stammkunden, die seit Jahrzehnten in „ihre“ Apotheke kommen. Aber rechtfertigt das, dass man möglicherweise seine Approbation verliert? Rechtfertigt das, dass man gegen das Gesetz verstößt? Ich finde nicht.

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