Gesundheit

Innocur „warnt“ Apotheken vor Herstellung

Seit einigen Tagen erhalten zahlreiche Apotheken ein Fax der Firma Innocur. Dabei handelt es sich um den Vertreiber eines Opiumtinktur-Fertigarzneimittels. Dieser erklärt in dem Schreiben, dass es einer Apotheke in Hamburg verboten bleibe, Opiumtinktur als Rohstoff zu beziehen und unverändert an Endkunden abzugeben. Doch verschwiegen wird, dass eine andere Apotheke ihr Verfahren weiter führt und eine gerichtliche Verhandlung zu dem Thema noch aussteht.

Das rechtliche Tauziehen um Opiumtinktur als Rezepturarzneimittel geht weiter. Bei dem Streit zur rechtlichen Stellung von Opiumtinktur für Rezepturzwecke sind Verfahren gegen den Hersteller des Ausgangsstoffs und Verfahren gegen Apotheken zu unterscheiden. Hinter allen Verfahren steckt die Firma Innocur mit Sitz in Frankfurt am Main, die das Opiumtinktur-Fertigarzneimittel Dropizol vertreibt. Innocur will die rezepturmäßige Herstellung von Opiumtinktur am liebsten aus den Apotheken verbannen.

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Zur Herstellerebene hatten das Landgericht Hamburg und das Hanseatische Oberlandesgericht zuletzt entschieden, dass die betreffende Rezeptur nicht als Fertigarzneimittel einzustufen sei. Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen den Ausgangsstoffhersteller Maros Arznei GmbH wurde vom Landgericht Hamburg als unbegründet zurückgewiesen.

Einstweilige Verfügungen gegen Apotheken

Dennoch hatte das Landgericht einstweilige Verfügungen gegen Apotheken erlassen, mit denen diesen Apotheken die Abgabe solcher Rezepturen verboten wurde. Darauf bezieht sich nun ein neues Schreiben der Firma Innocur, das aktuell als Fax in zahlreiche Apotheken verschickt wird. Darin heißt es, die Abgabe der Opiumtinktur von Maros sei einer Apotheke untersagt, wenn sie die Opiumtinktur als Rohstoff beziehe und ohne wesentliche Veränderungen an Endkunden abgebe.

Nachdem das Landgericht Hamburg seine Rechtsauffassung am 28. Mai 2020 in einer schriftlichen Verfügung niedergelegt habe, habe die Apotheke ihren Widerspruch zurückgenommen. Damit sei der Beschluss (Aktenzeichen 327 O 1/20) rechtskräftig. Zur Begründung habe das Landgericht erklärt, das Mittel sei keine individuelle Rezeptur, wenn es in keiner Weise vom angelieferten Zwischenprodukt abweiche und ein Apothekenmitarbeiter dies nur umfülle.

Angeblich weitreichende Folgen

Innocur folgert daraus, Hersteller dürften Opiumtinktur als Rohstoff an Apotheken verkaufen, aber es sei den Apotheken untersagt, diese „ohne Veränderung an der Wirksubstanz“ an den Endverbraucher abzugeben, es sei denn, sie hätten eine Zulassung. Daraufhin wirft Innocur die zusätzliche Frage auf, ob Opiumtinktur-Rezepturarzneimittel erstattungsfähig seien, denn sie seien zulassungspflichtige, aber nicht zugelassene Fertigarzneimittel. Innocur bezweifelt daher die Anwendbarkeit der Hilfstaxe und zieht sogar einen möglichen Abrechnungsbetrug in Erwägung.

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