Gesundheit

Lasst uns zusammen unsere Patienten begeistern

Das Thema Nachwuchsgewinnung ist zurzeit in aller Munde. Junge Apotheker*innen zieht es zunehmend in die Krankenhausapotheke und die Industrie. Dadurch droht die öffentliche Apotheke auf der Strecke zu bleiben. Doch was kann man dagegen tun? Und wie fühlt sich eigentlich der jetzige Nachwuchs? Das beschreibt Bianca Partheymüller, Beauftragte für Lehre und Studium beim BPhD, in ihrem Kommentar.

Sowohl auf der Expopharm als auch am Runden Tisch zur Novellierung der Approbationsordnung wird darüber heiß diskutiert: Das Thema Nachwuchsgewinnung. Dabei beklagen die Professor*innen schon heute, die zurückgehende Anzahl an Bewerber*innen für das Pharmaziestudium. Laut einer Analyse der ABDA werden in zehn Jahren bis zu 10.000 Pharmazeut*innen über alle Tätigkeitsbereiche hinweg fehlen. Junge Apotheker*innen zieht es zunehmend in die Krankenhausapotheke und die Industrie. Dadurch droht die öffentliche Apotheke auf der Strecke zu bleiben. Was kann man dagegen tun? 

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Aus meiner Sicht plagen uns oft Zukunftsängste. Schaffe ich es, mir das viele Wissen in möglichst kurzer Zeit anzueignen? Warum hat der Tag nur 24 Stunden? Und in Bezug auf die öffentliche Apotheke: Ist das noch ein sicherer Arbeitsplatz? Wie soll ich es schaffen, später mal eine Apotheke zu führen, wenn ich im Studium nichts darüber lerne? Warum gebe ich mir eigentlich den ganzen Stress, wenn ich danach nur Medikamente über den Tresen schieben darf? Solche oder so ähnliche Fragen hat sich sicherlich jede*r Pharmaziestudierende schon einmal gestellt. Doch was würden wir uns stattdessen wünschen? Was muss sich ändern?

Novellierung der jetzigen Approbationsordnung ist unabdingbar

Eine Novellierung der jetzigen Approbationsordnung ist unabdingbar und ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Stoffgebiete des Studiums müssen überarbeitet werden und die Lehrenden müssen den Fokus mehr auf das Verstehen, statt auf das Auswendiglernen legen. Wir müssen jetzt die Kompetenzen erwerben, mit denen wir den Apothekerberuf ins 21. Jahrhundert führen. Auch häufiger von Apotheker*innen unterrichtet zu werden, wäre unglaublich motivierend. Vor allem im Hauptstudium können diese das Wissen in den einzelnen Fächern gut vernetzen und zueinander in Kontext setzen. Dies ermöglicht uns schon im Studium einen Blick über den Tellerrand zu werfen.

Problemlöser statt Schubladenzieher

Aber was motiviert uns nicht einfach aufzugeben? Ich kann nur für mich sprechen, aber mich motiviert der Gedanke, dass ich später einmal Menschen helfen kann! Leider kursiert in der Gesellschaft oft noch das veraltete Bild der Apotheker*innen als „Schubladenzieher“ anstelle von „Problemlösern“. Die Berufspolitik betont immer wieder, dass Corona den Blick auf unseren Beruf verändert hat, aber inwiefern? Mich motiviert es kaum, wenn ich höre, dass ich später mal Impfzertifikate ausstellen oder Schnelltests durchführen darf. Anspruchsvollere Aufgaben wie eine Medikationsanalyse oder Impfen sind für mich allerdings ein größerer Ansporn. Hier kann ich den Patient*innen direkt helfen und meine Fähigkeiten gezielt einsetzen. Auf diese Themen sollte sich die Berufspolitik konzentrieren, wenn sie uns für sich gewinnen möchte.

Das Bild in der Öffentlichkeit zu ändern ist unsere große Verantwortung, darf aber nicht allein auf uns als Nachwuchs abgeschoben werden. Klar, wir, aber auch besonders die Alteingesessenen, müssen unsere Patient*innen und Kolleg*innen von uns und unserer Arbeit begeistern. Nur so verstehen die Patient*innen was für einen Mehrwert wir ihnen bieten und nur so sind wir auch in Zukunft ein wichtiger Teil des Gesundheitssystems. Also lasst uns zusammen unsere Patient*innen begeistern und zeigen wir ihnen, wie viel wir als Apotheker*innen bewegen können!

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