Gesundheit

Lunapharm verteidigt Lizenz zum Umpacken

Der umstrittene Brandenburger Pharmahändler Lunapharm gibt offenbarnicht auf. Nachdem die Arzneimittelaufsicht die Herstellungserlaubnis amgestrigen Dienstag dauerhaft widerrufen hat, erklärte Lunapharm-SprecherKlaus Kocks, dass man Widerspruch gegen den Bescheid einlegen wolle. Dem fast50-seitigen Dokument zufolge ist die Vorwurfsliste der arzneimitterechtlichen Verstößeallerdings lang.

Nun aber endgültig! Am gestrigen Dienstag erhielt derumstrittene Pharmahändler Lunapharm den Bescheid über den dauerhaften Widerrufseiner Herstellungserlaubnis. Zuvor hatte das Landesamt für Arbeitsschutz,Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) das Ruhenlassen der Lizenz wiederholt undbefristet angeordnet.

Lunapharm-Sprecher kündigt Widerspruch an

Doch das Brandenburger Unternehmen will sich offenbar wehren.So erklärte Lunapharm-Sprecher Klaus Kocks am gestrigen Dienstag gegenüberDAZ.online, dass man gegen den Bescheid Widerspruch einlegen wolle. Außerdem wolleLunapharm die einzelnen Punkte in der Widerspruchsbegründung einzeln „ausklagen“.Des Weiteren beabsichtige der Händler, eine Verfahrensrüge gegen die Behörde einzuleiten,weil der Nachrichtensender Rbb über denBescheid berichtet hatte, bevor dieser Lunapharm vorgelegen habe.

Der Bescheid vom 15. Januar dürfte für Lunapharm allerdings nichtvöllig überraschend gekommen sein. Denn die Frist für das Ruhenlassen der Herstellungserlaubnisendete am Vortag. In dem Schreiben ist mehrfach, zu den inhaltlichen Punkten aus der Begründung des Widerrufs, von einer Stellungnahme seitensdes Brandenburger Händlers vom 11. Januar die Rede.

Hat Lunapharm Dokumente manipuliert?

Ob ein Widerspruch erfolgreich sein wird, ist fraglich. DemLAVG-Bescheid zufolge sind die Vorwürfe gegen Lunapharm wegen arzneimittelrechtlicher Verstöße zahlreichund schwerwiegend. In den vergangenen Monaten hatte DAZ.online bereits übereinzelne zweifelhafte Vorgänge berichtet, die nach und nach ans Tageslichtgekommen waren.

Eines der ersten Verdachtsmomente bildeten beispielsweisedie Medikamente, die Lunapharm von der griechischen Apotheke Ozbagdzi erhielt.Diese Apotheke soll, entgegen der Aussage von Lunapharm, keine Großhandelserlaubnisbesessen haben. Laut der Widerrufsbegründung soll der Brandenburger Händler demLAVG dazu eine fehlerhafte Übersetzung der Aussage der griechischen Behörde EOFvorgelegt haben.

Auch bei einem weiteren Punkt der Widerrufsbegründung gehtes um Falschangaben in Dokumenten. So soll der Bruder von LunapharmsGeschäftsführerin den Fahrer eines Logistikunternehmens, das für LunapharmArzneimittel transportierte, dazu veranlasst haben, am 20. Juli 2018 die Uhrzeitder Paketübergabe um etwa eine Stunde vorzudatieren. Dieser Zeitraum istinsofern brisant, weil Lunapharm an diesem Tag um 14:52 die erstmalige Widerrufsanordnungüber die Herstellungs- und Großhandelserlaubnis im Sofortvollzug erreichte undder Fahrer offenbar dazu gedrängt wurde, eine Lieferzeit von 14:07 statt 15:10anzugeben.

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