Gesundheit

Mediziner erklärt, wie Sie Omikron zuhause auskurieren – und was Warnzeichen sind

Derzeit sind mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland mit Corona infiziert. Weil darunter viele Geimpfte sind, verlaufen die Infektionen meist mild. Ein Mediziner erklärt, was Sie sich zuhause am besten auskurieren – und auf welche Warnsignale Sie achten sollten.

Noch nie waren in Deutschland so viele Menschen mit Corona infiziert wie momentan. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gibt es derzeit über zwei Millionen aktive Fälle. Dank einer Impfquote von mittlerweile 74 Prozent und einer Booster-Rate von 53 Prozent, trifft Omikron auf viele Geimpfte und verursacht vorwiegend milde Verläufe. So geht die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten gerade zurück – auch wenn der Anteil der Patienten auf den Normalstationen etwas zunimmt. Dennoch: Die meisten Menschen befinden sich mit leichten Symptomen zuhause und kurieren sich dort aus.

Trotzdem darf man eine Infektion nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Als immunnaive Person, also als Person ohne Immunschutz, möchte ich nicht mit Omikron infiziert werden“, sagt Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) gegenüber FOCUS Online. Auch wenn man mittlerweile an den Kliniken sehe, dass Omikron leichter verlaufe als Delta. Für FOCUS Online beantwortet der Mediziner die zehn wichtigsten Fragen, wie man eine Omikron-Infektion am besten daheim auskuriert.

1. Was sind die häufigsten Omikron-Symptome?

Da Omikron in erster Linie die oberen Atemwege befällt und seltener die Lunge gehören zu den häufigsten Symptomen einer Omikron-Infektion laut Scherer

  • Kopfschmerzen
  • Schnupfen
  • Halsschmerzen
  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Nachtschweiß

2. Was ist ein leichter Verlauf?

„Ein leichter Verlauf muss sich tatsächlich so anfühlen wie eine Erkältung“, sagt Scherer. „In dem Moment, wo ich mich richtig krank fühle, erschöpft bin, hohes Fieber habe, kurzatmig bin und die Treppe nicht mehr hoch komme, ist die Grenze des Selbstmanagements erreicht“, mahnt er. Dann sei es an der Zeit, den Hausarzt zu kontaktieren.

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  • 3. Welche Medikamente sollte man zuhause haben?

    „Wer zuhause Paracetamol und Ibuprofen gegen Fieber und Gliederschmerzen hat, Lutschtabletten gegen Halsweh und ein Nasenspray gegen eine verstopfte Nase, ist gut ausgerüstet“, sagt Scherer. Leichte Symptome müsse man nicht behandeln, könne dies aber tun, wenn sie einen stören.

    Anders sei es bei deutlichem Krankheitsgefühl. Hier müsse gegebenenfalls eine Krankenhauseinweisung geprüft werden, betont Scherer.

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    4. Wie kann man das Immunsystem gegen Omikron unterstützen?

    „Es gibt Studien, die zeigen dass Zink und Vitamin D das Immunsystem unterstützen können“, erklärt der Mediziner. Bei geboosterten Menschen sei eine Einnahme jedoch nicht nötig, da diese in aller Regel sehr gut mit der Infektion zurechtkämen. Auch eine prophylaktische Einnahme hält Scherer nicht für notwendig.

    5. Wie lange dauert ein leichter Verlauf?

    „Eine leichte Corona-Infektion ist in der Regel kaum zu unterscheiden von den leichten Atemwegsinfekten, die wir bisher gekannt haben“, sagt Scherer. Zwar könne man keinen genauen Zeitraum festlegen, aber nach drei bis fünf Tagen kann demnach alles wieder vorbei sein, erklärt der Mediziner.

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    6. Was sind Warnsignale, wann sollte ich den Arzt kontaktieren?

    „Sobald es sich nicht mehr wie eine Erkältung anfühlt und man sich richtig schlecht und abgeschlagen fühlt, Atemnot verspürt, sollte man sich auf jeden Fall mit dem Hausarzt in Verbindung setzen“, empfiehlt Scherer.

    7. Wie erkenne ich eine mögliche Lungenentzündung?

    Auch wenn Omikron in erster Linie die oberen Atemwege befällt, kann auch diese Variante Lungenentzündungen auslösen und bei manchen Menschen zu einem ebenso schweren Krankheitsverlauf führen wie Delta. Vor allem, wenn die Betroffenen nicht geimpft sind.

    Bei einer Corona-Lungenentzündung kommt es zu Sauerstoffmangel im Blut. „Schmerzen im Brustbereich und vor allem die Atemnot gehören zu den Symptomen“, erklärt Scherer. Oftmals treten aber auch gar keine Atembeschwerden und Atemnot auf – trotz niedriger Sauerstoffwerte im Blut. In diesem Fall spricht man von einer stillen Hypoxie. Diese betrifft meist ältere Menschen und tritt im Zusammenhang mit schweren Covid-19-Verläufen auf.

    8. Brauche ich einen Pulsoximeter?

    Ein Pulsoximeter, der an die Fingerkuppe geklemmt wird, misst den Puls sowie die Sauerstoffsättigung und kann so wertvolle Hinweise über den Zustand und einer mögliche Lungenentzündung liefern. Doch braucht man so ein Gerät unbedingt daheim, um seinen Zustand zu überwachen? „Ein Pulsoximeter ist eine tolle Sache, wenn ich mit dem Hausarzt telefoniere oder per Video verbunden bin und er sieht, dass der Puls nicht rast und die Sauerstoffsättigung in Ordnung ist“, erklärt Scherer. Geht ein medizinischer Laie damit um, könne dies aber zu Fehlinterpretationen führen. Dieses Gerät mache daher nur Sinn, wenn man in Kontakt mit dem Arzt sei. 

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    9. Wie lange muss ich mich nach einer Infektion schonen?

    „In der Regel sind die Menschen schon bevor die Quarantäne endet, wieder gesund“, sagt Scherer. Aktuell endet eine Quarantäne nach zehn Tagen ohne Test – wer 48 Stunden symptomfrei ist, darf sich nach sieben Tagen mit einem Antigentest freitesten.

    Bezüglich Sport empfiehlt der Mediziner aber auf den Körper zu hören und beim Training nicht an seine Grenzen zu gehen. „Wenn jemand merkt, er ist schneller erschöpft, sollte man auf keinen Fall gegen den Körper antrainieren“, rät Scherer.

    10. Wie merke ich, dass ich Long-Covid habe?

    Auch Wochen und Monate nach einer leichten oder asymptomatischen Infektion können Menschen an Long-Covid leiden. Die Symptome können vielfältig sein, aber zu den häufigsten gehören:

    • Abgeschlagenheit,
    • Müdigkeit
    • Gedächtnisstörungen
    • Schlafstörungen
    • Atemnot
    • Kurzatmigkeit

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    Auch wenn man aktuell noch nicht genau weiß, ob und welche Langzeitfolgen bei einer überstandene Omikron-Infektion auftreten, geht Scherer davon aus, dass es auch hier Fälle von Betroffenen geben wird. „Kommt jemand nach seiner Infektion überhaupt nicht mehr auf die Beine, sollte er zum Arzt gehen“, rät der Allgemeinmediziner daher.

    Auch wenn es oft schwer ist, herauszufinden, woher die Beschwerden tatsächlich kommen: „Wir wissen, dass 98 Prozent der Patienten mit Long-Covid mit ähnlichen Symptomen schon vor Corona in der Versorgung waren.“ Eine Zuordnung und eine Behandlung seien daher oft schwierig.

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