Gesundheit

Mein liebes Tagebuch

„Vorerst keine Impfzertifikate in Apotheken“ – klingt zunächst irgendwie harmlos. Doch was hinter dieser Schlagzeile steckt, ist ein Knaller. Mit welcher Ignoranz hier auf Sicherheitsstandards beim Einbinden des Zertifikatsservers verzichtet wurde, mit welcher Schlamperei hier die Apothekenidentitäten überprüft wurden – das wirft kein gutes Licht auf den Deutschen Apothekerverband. Und als ob das alles nicht schon schlimm genug ist, setzt die ABDA-Kommunikation dem noch ein Krönchen drauf. Über solche Pannen und noch mehr können wir dann mal mit Jens Spahn sprechen: Er kommt zum Apothekertag, ein letztes Mal. Werden wir ihn vermissen?

19. Juli 2021

Die Unwetter-Katastrophe, die Mitte Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mehr als 170 Menschenleben kostete und Tausende von Existenzen vernichtete, bewegt uns, zwingt uns zum Nachdenken. Die Diskussionen um rechtzeitige Katastrophenwarnung und einen stärkeren Katastrophenschutz nehmen an Fahrt auf. Doch an erster Stelle steht nun die Hilfe für die Beseitigung der Schäden, für den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur. Das Unwetter hat auch zahlreiche Arztpraxen und Apotheken beschädigt oder sogar gänzlich zerstört. Allein in Rheinland-Pfalz sind nach Angaben der Apothekerkammer 18 Apotheken derzeit nicht dienstbereit. Mein liebes Tagebuch, ich konnte mit Apothekerin Linda Wnendt sprechen, deren Apotheke vom Hochwasser vollkommen unter Wasser gesetzt wurde, „die Apotheke gibt es nicht mehr“, sagte sie mir im Podcast. Ob sie jemals wieder an diesem Standort aufgebaut werden kann, ist fraglich. Es ist erschütternd, was in jener Nacht passiert ist. Die DAZ sprach auch mit Günter Witzmann, Apotheker in Ruhestand, der seine Hilfe anbot und in einem Krisenstab mitarbeitet, der versucht, die Arzneimittelversorgung trotz chaotischer Bedingungen aufrecht zu halten: „Wir haben hier unsere eigenen Gesetze geschaffen“, so Witzmann, denn für so eine Katastrophe gebe es keine Handlungsanweisungen.

Mein liebes Tagebuch, was trotz Chaos wichtig ist: Betroffene Apotheken sollten unbedingt einiges beachten, um die Schäden bei ihren Versicherungen geltend zu machen. Worauf im einzelnen zu achten ist, hat die DAZ im Gespräch mit einem Versicherungsmakler eruiert. Und die Apothekerkammer Rheinland-Pfalz ruft Apotheken, die Einrichtungs- und/oder Laborgegenstände spenden möchten, dazu auf, der Kammer eine entsprechende Liste zu mailen, damit diese Hilfsbedürftigen zur Verfügung gestellt werden kann.

Was die unbrauchbar gewordene Fachliteratur betrifft, so hat der Deutsche Apotheker Verlag beschlossen, betroffenen Apotheken ihre zerstörte Fachliteratur kostenlos zu ersetzen. Mein liebes Tagebuch, trotz allen Leids und allen Schmerzes: Es tut gut zu erfahren, dass es Hilfe und Mitmenschlichkeit gibt. Übrigens, wer Spenden möchte: Es gibt auch verschiedene apothekennahe Hilfsorganisationen, die im Einsatz sind und sich über Zuwendungen freuen.

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