Gesundheit

Mysteriöse Hepatitis-Fälle in immer mehr Ländern: Was Eltern jetzt wissen müssen

Immer mehr Länder melden steigende Fallzahlen von Kindern mit einer rätselhaft auftretenden Hepatitis-Erkrankung. Welche Regionen bislang betroffen sind und ob Sie sich Sorgen machen müssen, erfahren Sie hier.

In der vergangenen Woche hat die britische Gesundheitsbehörde UKHSA eine ungewöhnliche Häufung von Hepatitis-Fällen bei Kindern in Großbritannien gemeldet. In einigen Fällen soll es zu akutem Leberversagen gekommen sein. Mittlerweile tritt die rätselhafte Erkrankung auch in anderen Ländern auf. Was steckt hinter den plötzlich steigenden Fallzahlen? Und müssen sich Eltern sorgen? FOCUS Online beantwortet die wichtigsten Fragen.

1. Welche Länder sind von den Hepatitis-Fällen bislang betroffen?

Bereits vergangene Woche meldete die britische Gesundheitsbehörde UKHSA die ersten Fälle in Großbritannien. Nach neuesten Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC ist es inzwischen aber auch bei Kindern in

  • Dänemark
  • Irland
  • den Niederlanden und
  • Spanien

zu rätselhaften Hepatitis-Erkrankungen gekommen. Neun Verdachtsfälle gibt es mittlerweile zudem im US-Bundesstaat Alabama.

2. Was beobachten die Länder?

Aktuell prüft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 84 gemeldete Hepatitis-Fälle bei Kindern in Großbritannien. Die Organisation rechnet in den nächsten Tagen jedoch mit weiter steigenden Fallzahlen.

Nach aktuellem Erkenntnisstand sind vor allem Kinder unter zehn Jahren betroffen, meist im Alter zwischen zwei und fünf Jahren. In Großbritannien mussten einige schwer erkrankte Kinder in spezialisierte Kinderleberstationen verlegt werden. Sechs von ihnen musste laut WHO eine neue Leber transplantiert werden.

Wie die ECDC berichtet, werde derzeit mithilfe eines Fragebogens versucht, die Nahrungsmittel und Getränke der betroffenen Kinder zu protokollieren, um Rückschlüsse auf eine mögliche Ursache für die Krankheitsfälle zu ziehen. Auch persönliche Gewohnheiten werden abgefragt. Bislang habe man aber keinen gemeinsamen äußeren Faktor feststellen können.

3. Gibt es bereits Fälle in Deutschland?

Der rätselhafte Anstieg der Hepatitis-Fallzahlen führt auch hierzulande zu Irritationen. In Deutschland sind nach jetzigem Stand jedoch keine vergleichbaren Fälle bekannt, wie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) auf FOCUS-Online-Nachfrage berichtet. Erst diese Woche habe man eine Blitzumfrage bei allen Hepatitis-Spezialzentren in Deutschland durchgeführt. Bislang sei die Lage unauffällig. Man werde die Situation aber weiter beobachten.

4. Wie äußert sich eine Hepatitis?

Unter einer Hepatitis verstehen Mediziner eine Entzündung der Leber, welche durch Viren, Gifte, Medikamente oder Autoimmunerkrankungen ausgelöst werden kann. Je nach Ursache und Dauer werden verschiedene Formen der Hepatitis unterschieden. „Eine Hepatitis, also eine Entzündung der Leber, ist bei Kindern eigentlich eher selten und wird klassisch durch die bekannten Hepatitisviren verursacht“, erklärt Burkhard Rodeck, Kindergastroenterologe und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Wie die britische UKHSA berichtet, würden die derzeitigen Fälle von Leberentzündungen aber nicht durch die üblichen Hepatitisviren A, B, C, D und E ausgelöst.

Bislang hat sich die Leberentzündung bei den Kindern durch folgende Symptome geäußert:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • eine Gelbfärbung der Haut (Ikterus, Gelbsucht)
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit

Anders als bei einer üblichen Hepatitis bekämen die meisten Kinder jedoch kein Fieber. Zusätzlich können Symptome der ursprünglich verursachenden Viruserkrankung dazukommen – zum Beispiel ein Infekt der oberen Luftwege.

5. Was könnte die Ursache der Hepatitis-Fälle sein?

Die Prüfung der Hintergründe der Krankheitsfälle dauere in allen betroffenen Ländern an, erklärte die ECDC. „Derzeit ist der genaue Grund für die Hepatitis dieser Kinder unbekannt.“ Das liegt vor allem daran, dass die bekannten Erreger von Hepatitis A, B, C, D und E bei den Betroffenen nicht nachgewiesen wurden. Die britischen Gesundheitsbehörden prüfen daher Zusammenhänge mit anderen verbreiteten Erregern wie dem Coronavirus sowie andere vorangegangenen Infektionen und Umweltfaktoren. Eine Infektion sei laut ECDC die wahrscheinlichste Ursache.

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Auch Mediziner Rodeck erklärt, dass in seltenen Fällen andere Viruserkrankungen mit einer Leberbeteiligung zu Hepatitis führen können. „Zum Beispiel solche durch Zytomegalieviren und Ebstein-Barr-Viren, selten auch einmal Adenoviren, meist dann bei Patienten mit Immunerkrankungen.“

Der Gastroenterologe sieht einen möglichen Auslöser in den zunehmenden Lockerungen nach der Corona-Pandemie. Kinder und Jugendliche kämen in relativ kurzer Zeit aus der Isolation und seien auf einmal vielen Keimen ausgesetzt, mit denen sie zuvor aufgrund diverser Lockdown- oder anderer Maßnahmen nicht in Kontakt gekommen waren. Eine Infektion mit einem Erreger könnte demnach ein Grund für die steigende Zahl an Hepatitis-Fällen sein.

6. Besteht ein Zusammenhang mit Covid-19 oder der Impfung?

Wie die ECDC berichtet, stehen die Hepatitis-Fälle bislang in keinem Zusammenhang mit einer Corona-Impfung. Es seien zwar einige betroffene Kinder positiv auf Sars-CoV-2 und andere auf Adenoviren getestet worden. Keines der Kinder war jedoch zuvor gegen Corona geimpft worden.

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  • Zudem wird bisher keine eindeutige Verbindung zwischen gemeldeten Fällen und Corona-Infektionen oder mit bekannten Reisen erkannt, wie WHO und UKHSA berichten. „Ein Zusammenhang mit Sars-CoV-2 ist theoretisch zwar denkbar, aber nicht sehr plausibel“, erklärt auch Rodeck. „Alle beschriebenen Kinder sind durch ein Sars-CoV-2-Screening gegangen. Das hätte dann überzufällig häufig positiv ausfallen müssen.“ Derartige Hepatitis-Fälle hätten zudem schon früher in der Pandemie auffallen müssen, meint der Mediziner.

    7. Müssen sich Eltern Sorgen machen?

    Das klinische Bild der rätselhaften Lebererkrankung sollte in jedem Fall ernst genommen werden. Bei der Hepatitis handelt es sich um eine schwere akute Leberentzündung mit deutlich erhöhten Transaminasen – Enzyme, die im Inneren von Zellen Stoffwechselaufgaben erfüllen.

    Erhöhte Transaminasen gehen bei Kindern bis zu 16 Jahren oft mit Gelbsucht einher, manchmal begleitet von Symptomen wie Erbrechen. Eine akute Virushepatitis im Kindesalter verlaufe jedoch laut Rodeck sehr oft auch asymptomatisch oder mit nur geringer Beeinträchtigung. Da aktuell keine Fälle in Deutschland bekannt sind, sollten Eltern jedoch Ruhe bewahren. Übermäßige Sorge sei nach aktuellem Stand nicht angezeigt. Dennoch sollten Eltern bei Symptomen einen Arzt aufsuchen, um die genaue Krankheitsursache abklären zu lassen.

    8. Wie kann ich mein Kind schützen?

    Gängige Vorsichts- und Hygienemaßnahmen schützen auch vor einer Hepatitis-Infektion. So rät die Leiterin für klinische und neu auftretende Infektionen der britischen Behörde für gesundheitliche Sicherheit, Meera Chand, zum regelmäßigen Händewaschen und Desinfizieren, um die Ausbreitung potenzieller Infektionen zu reduzieren.

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