Gesundheit

Nach COVID-19: Neurokognitive Defizite können über Monate fortbestehen – Heilpraxis

Glukosestoffwechsel im Hirn nach SARS-CoV-2-Infektion vermindert

Auch nach einer überwundenen SARS-CoV-2-Infektion bleiben bei vielen Betroffenen neurologisch-kognitive Defizite wie ein beeinträchtigter Geschmackssinn bestehen. Ein deutsches Forschungsteam untersuchte nun, wie lange diese Einschränkungen bleiben können und ob sie vollständig heilen.

Forschende des Universitätsklinikums Freiburg konnten mittels einer speziellen Bildgebungstechnik bei Betroffenen, die nach COVID-19 unter neurokognitiven Beschwerden litten, eine Verminderung des Glukosestoffwechsels im Gehirn nachweisen. Ein verminderter Glukosestoffwechsel im Hirn steht in Verbindung mit dem Auftreten von neurodegenerativen Defiziten. Anhand der Analysen gewann die Arbeitsgruppe neue Einsicht über die Dauer und die Reversibilität von neurokognitiven Symptomen, die im Rahmen von COVID-19 auftreten. Die Ergebnisse wurden in dem Fachjournal „Brain“ vorgestellt.

Neurokognitive Beschwerden nach COVID-19

Im Verlauf der Corona-Pandemie wurden häufig neurologische Manifestationen der Erkrankung dokumentiert. Zu den schwersten akuten neurologischen Komplikationen zählt beispielsweise der Schlaganfall, zu den am weitesten verbreiteten Defiziten der Geschmacks- und Geruchsverlust. Auch nachdem die Infektion überstanden ist, bleiben bei vielen Patientinnen und Patienten Folgebeschwerden zurück. Bislang war nicht bekannt, ob und wie lange diese Leiden bestehen bleiben.

Gehirn von COVID-19-Betroffenen analysiert

Um darüber ein besseres Verständnis zu erlangen, wertete eine Arbeitsgruppe des Universitätsklinikums Freiburg spezielle Aufnahmen von COVID-19-Erkrankten mit neurokognitiven Beschwerden aus. Das Gehirn von 29 ausgewählten Betroffenen wurde mittels einer Bildgebungstechnik namens 18FDG-PET ([18F]Fluordesoxyglucose-Positronenemmissions-Tomografie) analysiert. Bei acht Teilnehmenden wurde die Untersuchung nach sechs Monaten wiederholt.

Ablauf der Studie

Das Team um Dr. Jonas Hosp (Leiter der Post-COVID Ambulanz der Neurologie des Universitätsklinikums Freiburg) und Professor Dr. Dr. Philipp T. Meyer (Ärztlicher Direktor der Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Freiburg) führte während der ersten COVID-19-Welle eine prospektive Studie bei stationär behandelten Patientinnen und Patienten durch. Die Betroffenen wurden systematisch gescreent, auffällige neurologische und kognitive Befunde erfasst und es wurde nach möglichen nachweisbaren Ursachen gesucht.

Es wurden nur Teilnehmende mit eingeschlossen, die mindestens ein neu aufgetretenes neurologisches oder neurokognitives Defizit aufwiesen, wie beispielsweise einen gestörten Geruchs- oder Geschmackssinn. Bestanden die Beschwerden schon vor COVID-19, wurden die Probandinnen und Probanden nicht mit in die Studie einbezogen.

Was ist eine 18FDG-PET-Diagnose?

Die Analyse mittels 18FDG-PET ist ein etabliertes Verfahren in der zerebralen Funktionsdiagnostik, das zum Beispiel auch zur Diagnose von Demenz verwendet wird. Dabei nehmen die Patientinnen und Patienten Traubenzucker ein, dessen 18Fluor-Atom schwach radioaktiv markiert wurde. Da Traubenzucker der einzige Energielieferant des Gehirns ist, kann die regionale Aufnahme und Metabolisierung von dem Molekül 18FDG im Traubenzucker als Marker des Glukosestoffwechsels gemessen werden.

Verminderter Glukosestoffwechsel nachgewiesen

Durch die 18FDG-PET konnten die Forschenden einen verminderten Glukosestoffwechsel im Gehirn nachweisen. „Bei einem Großteil von Patienten, die wegen einer akuten COVID-19-Erkrankung stationär behandelt werden mussten, konnten in der subakuten Phase definierte kognitive Beeinträchtigungen festgestellt werden“, erläutert Dr. Jonas Hosp. „Die Befunde passen zu dem im 18FDG-PET sichtbar verminderten Glukosestoffwechsel, d. h. einer regionalen Leistungseinschränkung in den entsprechenden Bezirken der Großhirnrinde.“

Nachuntersuchung untermauert die Erkenntnisse

Bei acht Teilnehmenden wurden die Ergebnisse bei einer Nachuntersuchung überprüft. Innerhalb von sechs Monaten konnte eine signifikante Besserung der neurokognitiven Defizite beobachtet werden, die mit einer weitgehenden Normalisierung des Hirnstoffwechsels einhergingen. Dies zeigt, dass die neurokognitiven Beeinträchtigungen direkt mit dem Grad der Verminderung des Glukosemetabolismus korrelieren. Die Ergebnisse der Nachuntersuchung wurden im „Journal of Nuclear Medicine“ publiziert.

Neurokognitive Defizite nicht dauerhaft

„Als erfreuliches Ergebnis lässt sich festhalten: die kognitiven Einschränkungen sind per se reversibel“, unterstreicht Dr. Hosp. Allerdings sei bei einigen Betroffenen auch nach sechs Monaten noch kein Normalniveau erreicht. Die vollständige Wiederherstellung der Gesundheit sei in einigen Fällen ein langwieriger Prozess, resümiert der Mediziner. Die Forschenden schlagen vor, den Glukosemetabolismus als Biomarker für kognitive Post-COVID-Symptome heranzuziehen. (vb)

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