Gesundheit

Schizophrenie: Grippe-Impfung nur in, Corona-Impfung nur außerhalb der Apotheke

Die Bundeskanzlerin und der RKI-Chef wollten Corona-Impfungen in der Apotheke ermöglichen – und scheiterten. Doch nicht nur, dass Apotheker:innen nicht selbst impfen dürfen: Derzeit werden Apotheken, die Grippeschutzimpfungen anbieten, auch noch davon abgehalten, Ärzte in ihren Räumlichkeiten boostern zu lassen. Steht sich Deutschland in der bisher schwersten Phase der Pandemie selbst im Weg?

Deutschland hat die schlechteste Impfquote unter allen West- und Südeuropäischen Ländern. Wie konnte das passieren in dem Land, in dem Wissenschaftler:innen den ersten mRNA-Impfstoff gegen SARS-CoV-2 entwickelten? Wenngleich diese Frage spannend ist, interessieren sich Politiker und Stakeholder derzeit eher für eine Lösung des Problems.

So brachte im Sommer bereits ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening die Idee ins Spiel, die COVID-19-Impfung in Apotheken zu ermöglichen. Eine aktuelle Befragung des Apothekerverbandes Nordrhein zeigte: Die Pharmazeut:innen, die bereits gegen Grippe impfen, wären auch für die Corona-Impfung bereit.

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Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen schoss zurück: „Bei jeder Impfung kann es zu Komplikationen kommen.“ Die Impfungen in Apotheken hätten „fatale Folgen für die Gesundheitsversorgung in Deutschland.“

Vor der letzten Bund-Länder-Konferenz appellierte Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, an die Heilberufe, ihre Standes-Interessen während der Pandemie ruhen zu lassen. Er sprach sich für das Impfen in Apotheken aus. Es braucht jedes niedrigschwellige Angebot, erklärte Wieler.

Die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel stimmte Wieler zu und ergänzte die COVID-19-Impfung in Apotheken in der Beschlussvorlage der letzten Bund-Länder-Konferenz. Sie scheiterte. Fast alle Ministerpräsidenten waren dagegen.

Schizophrene Praxis

Die Leiterin der Tivoli-Apotheke in Aachen, Beate Maria Leonore Schmidt, betreibt ein Testzentrum und bietet auch die Grippeschutzimpfung im Rahmen von Modellprojekten an. Die Städteregion Aachen sprach sie am 19. November an, ob ihr Testzentrum auch für Corona-Impfungen infrage käme. Schmidt stand dazu gern bereit. Ihr Mann, Prof. Dr. Harald Schmidt, ist Arzt und Apotheker zugleich. Er berichtet der DAZ-Redaktion, dass er als Arzt die Corona-Impfung hätte durchführen oder beaufsichtigen können.

Hätte. Denn vier Tage später zog die Stadt Aachen das Angebot zurück. Der Grund: Da das Testzentrum zu den Apothekenbetriebsräumen gehört, ist die Corona-Impfung hier nicht durchführbar. „Wir fragen uns, ob diese Schizophrenie von „Grippe-Impfung in der Apotheke“ und „Corona-Impfung ausschließlich außerhalb der Apotheke« irgendwie zu durchbrechen ist“, erklärt Schmidt. „Kein einfacher Start für innovatives Engagement der Apotheken.“

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