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Schlaganfall-Risiko kann durch Darmflora beeinflusst werden – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

Darmflora und Schlaganfall

Die Darmflora, auch Mikrobiota oder Mikrobiom genannt, ist wichtig für die Verdauung, die Abwehr von gefährlichen Keimen und Giften und die Stärkung des Immunsystems. Darmbakterien beeinflussen aber auch die Gesundheit des Gehirns und können das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen.

Unsere Darmflora beeinflusst auch das Gehirn. Wenn sie geschädigt ist, kann das Krankheiten auslösen, etwa Schlaganfälle. Dr. Vikramjeet Singh, Neurowissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen (UDE), erforscht, wie das Zusammenspiel von Darmbakterien und Immunzellen einen Hirninfarkt beeinflusst.

Die meisten Schlaganfälle sind ischämisch

Wie in einer aktuellen Mitteilung erklärt wird, sind die meisten Schlaganfälle ischämisch. Das heißt, dass das Gehirn durch eine blockierte Arterie nicht ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wird; Hirnzellen sterben ab.

Bereits seit einigen Jahren ist bekannt, dass die Darmflora nicht unbeteiligt an Ausmaß und Verlauf des Schlaganfalls ist. Einer, der dazu forscht, ist der Neurowissenschaftler Dr. Vikramjeet Singh. Seit 2018 tut er dies an der UDE am Zentrum für Medizinische Biologie (ZMB) sowie am Institut für Experimentelle Immunologie und Bildgebung der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums.

Darmflora gerät aus dem Gleichgewicht

Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen hat Singh in einer im Fachmagazin „Journal of Neuroscience“ veröffentlichten Studie herausgefunden, dass ein Schlaganfall eine Entzündungsreaktion im Hirn auslöst und zusätzlich die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringt. Letzteres wiederum hat erhebliche Folgen für das verletzte Hirngewebe.

Die Darmflora besteht bei gesunden Menschen aus etwa 1.000 verschiedenen Bakterienarten, sie regulieren das Immunsystem. „Ist die Vielfalt aber deutlich geringer oder ist der Darm mit Bacteroidetes überbesiedelt, einem Stoffwechselbakterium, aktiviert das spezielle Abwehrzellen: die Neutrophile. Diese sind die häufigsten weißen Blutkörperchen, gehören zum angeborenen Immunsystem und bekämpfen Erreger“, erläutert Dr. Singh.

„Nach einem Schlaganfall erreichen Neutrophile als erste das verletzte Gehirn. Sie produzieren Eiweiße und Enzyme, um das kaputte Gewebe zu reparieren – und zerstören doch mehr.“

Durch welche molekularen Signale die Neutrophilen aktiviert werden, ist bislang nicht vollständig verstanden. Und auch Therapien, um zu verhindern, dass die Immunzellen nach einem Schlaganfall schädigend auf die Hirnfunktion wirken, fehlen. Genau hieran wird Dr. Singh arbeiten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Singhs Studie in den kommenden drei Jahren mit 430.000 Euro. (ad)

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