Persönliche Gesundheit

Covid-19: Welche Medikamente für die Therapie?

Die Entwicklung von Impfstoffen und die Suche nach möglichen Arzneimitteln gegen das neuartige Coronavirus, SARS-CoV-2, laufen auf Hochtouren. Die gute Nachricht: 31 bereits zugelassene Wirkstoffe könnten sich zur Behandlung und Prophylaxe einer Infektion eignen.

Eine Gruppe europäischer Wissenschaftler hat in medizinischen Datenbanken geprüft, ob bereits bekannte Arzneimittel »Nebenwirkungen« gegen SARS-CoV-2 zeigen. Die Forscher konzentrierten sich bei ihrer Suche auf sogenannte Breitspektrum-Virostatika. Diese Wirkstoffe hemmen die Vermehrung von Viren aus zwei oder mehr Virusfamilien.

Von 120 zugelassenen Breitspektrum-Virostatika stuften die Forscher 31 als mögliche Kandidaten zur Vorbeugung und Behandlung von SARS-CoV-2-Infektionen ein. Dazu gehören beispielsweise das Malariamittel Chloroquin und der Ebola-Wirkstoff Remdesivir, schreiben sie in der Fachzeitschrift »International Journal of Infectious Diseases«. Auch das in Japan zugelassene Grippemittel Favipiravir ist dabei sowie die HIV-Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir. Letztere hatten jedoch in einer ersten klinischen Studie enttäuscht.

Ebola-Medikament gegen Covid-19

„Ich halte Remdesivir für besonders aussichtsreich“, sagt Professor Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen. „Dieser Wirkstoff wurde ursprünglich zur Bekämpfung von Ebola entwickelt. Das SARS-CoV-2-Virus und das Ebola-Virus haben ein Protein gemeinsam, das beide Viren benötigen, um sich vermehren zu können. Durch Remdesivir verliert dieses Protein seine Funktion.“ Die Ergebnisse einer ersten klinischen Studie aus Wuhan geben ihm zufolge Grund zu der Annahme, dass dieser Wirkstoff helfen könnte. Es seien jedoch weitere Studien nötig.

Das Bundesministerium für Gesundheit stuft die durch das Virus ausgelöste Krankheit, Covid-19, und das Fehlen von Therapieoptionen als so bedrohlich ein, dass es spezielle Maßnahmen ergriffen hat. Beispielsweise ist es mittlerweile den zuständigen Landesbehörden erlaubt, befristet Wirkstoffe zur Behandlung von Covid-19 in Verkehr zu bringen, die bisher in der EU nicht zugelassen sind. »Das geschieht bereits«, weiß Dittmer. „Nicht zugelassene Medikamente können im Rahmen eines sogenannten individuellen Heilversuchs eingesetzt werden, was in NRW im Hinblick auf SARS-CoV-2 auch schon praktiziert wird.“

Impfstoff innerhalb des nächsten Jahres

Ein Impfstoff gegen das Virus ist laut Dittmer ebenfalls absehbar: „Viele sagen, dass bereits in einem Jahr damit gerechnet werden darf." Das sei extrem schnell, denn normalerweise dauere es etwa zehn Jahre von der Entwicklung bis zur Zulassung eines Impfstoffes. In diesem Fall sei es jedoch realistisch. "Denn dass es schneller gehen kann, zeigt das Beispiel Ebola. Hier wurde ebenfalls binnen eines Jahres ein Impfstoff auf den Markt gebracht.

Hinzukommt, dass bereits ein Impfstoff für ein anderes Coronavirus, das MERS-Coronavirus, existiert", erklärt der Arzt. "Es bedarf nun noch einer Testphase und klinischer Studien, um gefährliche Nebenwirkungen auszuschließen. Das dauert etwa ein Jahr."

Apotheker Rüdiger Freund

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